Miezes Monatsrückblick #1

Die Muschimieze führt heute „Miezes Monatsrückblick“ ein! Er fungiert als meine persönliche mediale Resterampe, der Schlagzeilen-Grabbeltisch, Meinungs-Wichteln zwischen erwähnenswert und irgendwie doch gar nicht so wichtig. Viel Spaß mit den muschirelevantesten Themen der vergangenen Woche… Miau!

Vergewaltigungswitze

Nachdem auch die letzten Nachwehen des geistreichen Vergewaltigungswitzes der Bild-Zeitung vermeintlich versiegten, gab es kurz darauf schon wieder Aufruhe: in einem Interview des Spiegels (der noch kurz zuvor einen Artikel diesbezüglich veröffentlichte), lies sich die Band „Steel Panther“ im Interview mit Anne Backhaus wie folgt zitieren: „Manchmal sagen Girls zu uns zum Beispiel: “Hey, ich würde das oder das gerne mal beim Sex ausprobieren.” Wenn wir das dann aber mit ihnen machen, merken sie plötzlich, dass es ihnen gar nicht gefällt. Aber wir hören dann nicht auf. So lernen sie.“ Das Hate-Mag echauffierte sich postwendend darüber, wie „endlame“ ironische Hairmetalbands seien (stimmt!), insbesondere wenn sie Vergewaltigungswitze machen würden (stimmt auch!). Dennoch sollte nicht ausser Acht gelassen werden, dass viele Aussagen in dem Interview eher fragwürdiger und nicht besonders ernstzunehmender Natur sind, was auch von den Bandmitgliedern selbst bestätigt wird. Es handelt sich schliesslich auch um eine Art Spassprojekt, eine Parodie und weniger um eine herkömmliche Metal-Band. Satire stellt Missstände in sprachlich überspitzter und verspottender Form dar. So gesehen wäre die Aussage gar nicht mehr zwingend frauenfeindlich, es ist sogar möglich, dass die Protagonisten selbst rape culture (bzw. die Macho-Attitüden von Rockstars, die Groupies sexuell ausnutzen) mit solchen Sprüchen in Frage stellen wollten. In diesem Fall, würden sie sich nicht über vergewaltigte Frauen, sondern über Männer mit einem abwertenden Frauenbild lustig machen. Ja, auf den ersten Blick ist das natürlich alles jenseits des guten Geschmacks, aber für mich auch nicht mehr als der soundsovielte grenzwertige, aber dennoch verhältnismäßig harmlose, Auswuchs eines gar nicht so relevanten haarigen, bunten Mobs. Gähn.

Slut-Shaming

Themenwechsel. Lindsay Lohan hat eine Liste ihrer prominenten Liebhaber, veröffentlicht. Ok, ich nehme alles zurück – doch kein Themenwechsel, wir sind noch immer bei irrelevanten Geschmacklosigkeiten. Dann geschah nämlich das, was man gemeinhin als „Slut-Shaming“ bezeichnet. „Die Liste sagt mir nichts Neues über Lindsay Lohan – aber alles was ich über die Männer darauf wissen muss“, hatet ein Twitter-User. Ein Shitstorm entfacht und Lindsay Lohan zur „Schlampe“ ernannt. Auch wenn es Geschmackssache und sicher nicht gerade edel ist, Listen verflossener LiebhaberInnen zu veröffentlichen, so ist es dennoch immer wieder traurig, wenn eine Frau für die Auslebung ihrer Sexualität verurteilt und öffentlich entwertet wird. Lindsay, bums so viel und wen du willst! Aber frag doch die „Betroffenen“ lieber vorher, ob sie dieses Erlebnis mit der ganzen Welt teilen wollen. Hier geht es zu Lindsays Liste und einem Auszug der beleidigenden Kommentare auf Twitter.

Sexismus in Videospielen

Die Süddeutsche Zeitung hat einen Artikel über Sexismus in Videospielen veröffentlicht. „Damsel in Distress“ wird der immer wieder gern verwendete Stereotyp genannt, wie die Rolle der Frau in Videospielen dargestellt wird. Die hilflose, hübsche Frau in Not, die sich selbst nicht helfen kann und unbedingt vom heroischen, männlichen Akteur befreit werden muss. Sie fungiert als „Belohnung“ langer Anstrengungen, selten jedoch als aktive und storyrelevante Teilnehmerin am Geschehen. In den Youtube-Videos von „Feminist Frequency“ werden verschiedene Videospiele bezogen auf sexistische Strukturen analysiert. Die Kommentar-Funktionen wurden mittlerweile alle abgestellt – zu heftig waren die Reaktionen der verärgerten, meist männlichen Gamer. Das Handlungsmuster der hilflosen Frau sei nicht erst durch Videospiele erfunden worden, sondern schon durch Märchen und in Minnegesängen vermittelt worden. Und überhaupt seien die Sexsimus-„Vorwürfe“ haltlos und durch zahlreiche Gegenbeispiele zu widerlegen. Während ich mich mit diesem Thema beschäftigte, war ich immer wieder überrascht und teilweise auch erschrocken, über die Aggressivität und Wut vieler Gamer. Ich bin keine Gaming-Expertin und möchte an dieser Stelle eine kurze Nachricht an alle verärgerten Spielefans hinterlassen: nur, weil man etwas bei einem Produkt analysiert und feststellt, heißt das noch nicht, dass man die gesamte Branche oder deren Konsumenten anprangern und verurteilen möchte. Ich verstehe die offenbar tiefe Verletzung und Kränkung nicht. Es geht nicht darum, Spiele umzuschreiben oder Gamer als Sexisten abzustempeln. Die subtile Vermittlung eines immer wieder durchgekauten Klischees beeinflusst uns jedoch alle unterbewusst – nicht nur durch Spiele, auch in ganz vielen anderen medialen Bereichen. Wichtig ist doch, sich damit auseinander zu setzen und sich solche Strukturen bewusst zu machen, um seine eigene Wahrnehmung reflektiert hinterfragen zu können.

Frauenquote auf eigene Faust

Die taz. hat in einer Stellenausschreibung explizit nach einer weiblichen Frau mit Migrationshintergrund gesucht – mit der Begründung, dass es manchmal nicht nur wichtig sei, was geschrieben werde, sondern auch wer schreibt. Nun klagt ein ukrainischer Mann, der sich diskriminiert fühlt. Das liefert natürlich Diskussionsstoff. Wenn Gleichberechtigung, dann doch für alle! Oder nicht? Die taz. hat sicherlich selber gewusst, dass diese Formulierung ein kritisierendes Echo provoziert. Wer die Zeitung jedoch kennt, wird sich denken können, dass diskriminierende Motive bei solchen Angelegenheiten sicher nicht im Fokus stehen. Vielleicht wurde die Formulierung so gewählt, weil schon genug deutsche Männer in der Redaktion sitzen? Weil das Blatt großen Wert auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis legt und es bei journalistischer Arbeit eben nicht nur auf einen bestimmten akademischen Abschluss, sprich einer messbare Qualifikation, sondern auch auf persönliche Lebenserfahrungen und Ansichten ankommt? Natürlich hätte die taz. ihre Stellenausschreibung auch anders formulieren können. Dann hätten sie viele Bewerber unnötigerweise bemüht, deren Unterlagen entsorgt und die eigentlichen Adressatinnen womöglich gar nicht erreicht. Deshalb vor Gericht zu ziehen finde ich überflüssig und beschämend.

Cocks-In-Socks

„Cocks-In-Socks“ – für den guten Zweck und gegen Krebs lichteten sich zahlreiche Männer nackt ab, ihr „bestes Stück“ in Socken gehüllt. Besonders interessant auch hier mal wieder die Reaktionen. Da werden unangenehm berührte Stimmen laut. Männer? Nackt? Um für eine  Sache Aufmerksamkeit zu erregen, für die man auch ohne nackte Haut Interesse erwecken könnte? Das ist ja ein Ding! Verkehrte Welt möchte man meinen, kennt man doch ansonsten meist nur Titten und weibliche Ärsche vom Fruchtjoghurt bis zur Autoversicherung die Werbeplakate der banalsten Produkte zieren. Ich finde die Kampagne gut. Warum? Weil sie für mich keine Form des Sexismus (da Selfie, ergo selbstbestimmt, nicht durch den wertenden Blick des binären Geschlechts, siehe ishotmyself), sondern eine erfrischende Abwechslung zum Nackte-Frau-Einheitsbrei darstellt.

 

Weitere Links

In Indien prügeln pinke Frauen gegen das Patriarchat.  (Der Spiegel) Rentenungerechtigkeiten für Frauen.  (Der Freitag) Kommunalwahl in der Türkei.  (taz.)

8 Kommentare

  1. kersolq

    Was du oben über vergewaltigungswitze schreibst geht gar nicht. das ist die „war nicht so gemeint“ schiene. auch bei spaßprojekten gibt es verschiedene interpretationsmöglichkeiten und woher weißt du, dass damit rape culture in frage gestellt werden sollte? Das erfordert eine große Portion guten Willen, das so zu sehen. wird das dann die Joker-gehtimmer-aberhintenrumgrins-ausrede?

    • Ich habe mich nicht allgemein zu Vergewaltigungswitzen geäußert, sondern konkret zu diesem Fall.*

      Vergewaltigungswitze an sich (wie z.B. in der Bild-Zeitung) finde ich selbstverständlich daneben und das geht auch aus dem Beitrag hervor. Als Parodie oder Satire finde ich sie (wie ausdrücklich gesagt) immer noch grenzwertig. Satire hat aber nunmal meistens das in Frage stellen und Kritisieren von gesellschaftlichen Strukturen zum Ziel – das sollte man einfach nicht komplett ausblenden, sondern in seinem Urteil mitberücksichtigen (was nicht heißt, Vergewaltigungswitze an sich in Schutz zu nehmen). Alles andere finde ich einfach unreflektiert, sorry.

      *in diesem Fall wird möglicherweise diese Macho-Rockstar-Attitüde verspottet, Groupies nach Lust und Laune zu benutzen. Es werden also möglicherweise gar nicht die weiblichen Opfer ausgelacht, sondern in diesem Fall die Täter selbst parodiert. Das hätte dann nix mit einem „Joker“, sondern mit Gesellschaftskritik zu tun…

      • well.....not!

        ja, ja, satire und die freiheit der komik. und auf wessen kosten? und warum muss gesellschaftskritik in den mantel eines witzes gehüllt werden? ich würde lieber was über metal-frau*en lesen, die gesellschaftliche strukuren kritisieren.

  2. achtung! trans*misogynie

    Dieser Wochenrückblick ist also nur für Menschen mit vaginas gedacht? Also können Trans*frauen/Trans*weiblichkeiten es vergessen in Deinem Feminismus mitgemeint zu sein. Hachja, keine allzu große Überraschung. Noch so ein cissie-Blog. Gähn!

    • Der Name der Kategorie ist genauso mit einem Augenzwinkern zu verstehen, wie der Name meines Blogs – der ist nämlich, auch wenn der Name vielleicht anderes vermuten lässt, nicht nur für Katzen gedacht. (Die Intention dahinter war bei beidem, durch die vielleicht ungewöhnliche Namenswahl auch das Interesse von Leuten zu wecken, die sich mit der Thematik sonst nicht oder kaum auseinandersetzen und nur aus Neugierde draufklicken, mit dem Ziel, sie dadurch vielleicht für Feminismus- und Genderthemen zu sensibilisieren.)
      Der Wochenrückblick ist übrigens auch ebenso für Männer und alle anderen gedacht, genauso impliziert mein Verständnis von Feminismus selbstverständlich jede, die sich als Frau fühlt.

  3. achtung! trans*misogynie

    Aber bei so einer – egal wie ironisch gemeinten – Wortwahl wird automatisch ein Ausschluss betrieben. Auch wenn es Dir vielleicht selbstverständlich erscheint, erklären tust Du das so weit ich sehen kann nirgendwo auf dem Blog. Ironie und Augenzwinkern schön und gut, aber so ganz durchdacht, inklusiv & intersektional kommt das nicht an. Höchst interessant finde ich auch, dass Du sagst, der Wochenrückblick sei „für Männer und alle anderen gedacht“, wo meine Kritik doch explizit trans*frauen benannt hat. Genitalien zu benutzen um über Feminismus zu schreiben ist cis-sexistisch (auch wenn’s ironisch gemeint ist)!

    • Wenn du meine Aussage nicht so isoliert aus ihrem Kontext reissen würdest, würde sie auch mehr Sinn ergeben. „Auch ebenso“ sollte aufzeigen: ich gehe sogar noch einen Schritt weiter! Ich meine nicht nur jede, die sich als Frau fühlt (auch trans*frauen), sondern auch Männer. Die Benennung der Rubrik hat einfach überhaupt nichts mit den Adressaten/Adressatinnen zu tun! Ich möchte grundsätzlich „jeden“ oder „jede“ ansprechen – aber wenn sich jemand (warum auch immer) nicht angesprochen fühlt, dann ist das nun mal so. Daran kann ich leider nichts ändern. Genauso wenig, wie ich es nicht allen Recht machen kann. Es gibt sicher viele Menschen, die die Formulierung sowieso (möglicherweise aus anderen Gründen) unpassend finden, dann wieder welche, die sowas anspricht. Durch meine Ausführungen sollte nun deutlich genug gesagt sein, dass ich niemanden diskriminieren möchte – was übrigens durch die gesamte Struktur des Blogs eigentlich schon mehr als offensichtlich ist. Mein Schreibstil trifft nun mal nicht jeden Nerv und ich habe mir abgewöhnt, das als mein Novum anzuvisieren.

      Ich danke dir aber auf jeden Fall für dein Feedback! Da eine Ironie-Erklär-Rubrik auch für die Zukunft nicht geplant ist, habe ich somit die Gelegenheit bekommen, nochmal explizit etwas zu dem Thema zu sagen und etwaige Missverständnisse aus der Welt zu schaffen! 😉

  4. hot....but not!

    schon lecker die kerle mit den socken. aber im medialen raum nicht selten. macker zeigen ihre muckis…bei heißen temperaturen sogar auch außerhalb der netzwelt. sie dafür zu feiern, finde ich….nicht lohnenswert.

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