Pornoklatsch mit Mimi&Käthe.

Muschimieze

Erlebnispornographie. Ein klangvolles Wörtchen, das eine ganze Menge verspricht, aber wenig erklärt. Wer sind diese beiden Pornodamen, die der Branche ihren klebrigen Schmuddelruf reinpolieren möchten? Mimi und Käthe, schwarzhaarig und bunt bemalt, bloggen seit Oktober vergangenen Jahres über Muschis und andere schöne Dinge (wie zum Beispiel, was man mit ihnen alles so anstellen kann). Wer nun mit Hardcore-Fantasien und verstörendem Porno-Jargon rechnet, der darf die Klischee-Schublade mal gleich wieder zu machen und sich auf die erfrischend unprätentiöse Schreibe der beiden Szenedamen freuen. Ihre sympathisch unkomplizierte Art über die verschiedenen Seiten der gesellschaftlich oft verpönten und nicht zuletzt Männer dominierten „Erwachsenenunterhaltung“ zu berichten, hat ihnen binnen kürzester Zeit viele begeisterte Leserinnen und Leser beschert. Aus lauter Entzückung und Interesse für die Thematik (und nicht zuletzt ihrer unkonventionellen Umsetzung) habe ich mich dazu entschlossen, die beiden Pornomiezen bei mir um’s Eck auf einen Kaffee treffen zu wollen.

Wir wollen zuckersüße Uschis sein.

Durch die dunkel verrauchte Luft der Berliner Bar schwingen vertraute House-Klassiker, als ich mich suchend durch den Raum begebe. Mein Blick trifft den zweier funkelnder Augenpaare. Die dazugehörigen Damen sind exakt so, wie ich sie mir vorgestellt hatte: adrett gekleidet und reizend in ihrer Art. Eis zum Brechen gibt es nicht und so plaudern wir zwischen Zuckerdose und Ohrensessel über Bukkake-Clips und MILF-Traumata.

Mimi&Käthe

MUSCHIMIEZE: Kann Porno die Welt verbessern?

KÄTHE: Porno kann auf jeden Fall die Humorsparte erweitern! Ein entkrampfter Umgang mit Porno kann entspannter und selbstbewusster machen.

MUSCHIMIEZE:  Durch die Flut an Amateurpornos gibt es ja auch schon längst keinen gängigen Stereotyp Frau mehr (Blond, Silikon, Schlank), durch den man sich unter Druck gesetzt fühlen könnte. Kann einen das als Frau vielleicht sogar selbstbewusster machen?

MIMI: Um eins mal ganz klar zu sagen: die Amateurpornografie hat die Pornofilm-Industrie kaputt gemacht und ist unter anderem Schuld daran, dass heutzutage kaum noch Budgets zur Verfügung stehen. Fürs eigene Selbstbewusstsein mag es aber durchaus positive Auswirkungen haben, dass vor allem in der Amateurpornografie eben „die Frau von nebenan“ dargestellt wird.

MUSCHIMIEZE: Ihr sprecht also von Porno, wie beispielsweise auf dem Pornfilmestival hier in Berlin gezeigt wird?

MIMI: Das Pornfilmfestival ist definitiv nicht Porno! Das sind für mich alles Kunstfilme, bei denen halt auch gebumst wird. Da sitzen dann diese oft lustfeindlichen, zugeknöpften, semi-intellektuellen Typen, die da nicht für „Pornos“, sondern für die Diskussion danach hinkommen.

KÄTHE: Wie gesagt, die Pornoszene in Deutschland ist so gut wie tot. Kein Budget, zu viele Amateure. Lukrativ ist das bestimmt nicht.

MUSCHIMIEZE: Hat Porno Grenzen?

KÄTHE: Ja! Die habe ich bei nächtelangen MILF-Recherchen kennen gelernt! (lacht)

MIMI: Heute leidet sie darunter! (lacht)

KÄTHE: Also mal im Ernst, Porno darf eine ganze Menge. Aber dieser Inzest-/Teenienummer kann ich einfach nichts abgewinnen. Auch wenn das alles nicht echt ist und ich weiß, dass der Papa da nicht seine Tochter vögelt, finde ich nicht, dass solche Gedankengänge bei den Konsumenten noch unterstützt werden sollten. Aber es gibt ja auch noch einen Unterschied zwischen richtigen Tabus und Dingen, die mir nicht gefallen. Missbrauchs-Szenen, wo Autoritäten ausgenutzt und Schutzbefohlene vergewaltigt werden sind etwas anderes, als wenn jemand mit Fäkalien spielt. Scheiße tut ja keinem weh, auch wenn sie mich echt nicht anmacht.

Mimi&Käthe

MUSCHIMIEZE: Hattet ihr jemals Berührungsängste mit Pornos?

KÄTHE: Nein, eigentlich nicht. Ich hatte nur nie Freunde, die mit mir welche schauen wollten!

MIMI: Solche Freunde hatte ich schon! Ich fand Pornos schon immer spannend und interessant. Erst waren es die „Emanuelle“-Bildchen in der „Hör Zu“ der Omma, später hatte ich einen Freund mit einer Pornosammlung – das kannst du dir nicht vorstellen! Da habe ich auch meine Vorliebe für Bukkake-Videos entdeckt, weil die Mädchen danach immer so niedlich gelacht haben. Ich kann‘s aber auch verstehen, dass es einem vielleicht auch anders gehen kann und Porno erstmal verunsichert.

KÄTHE: Ja, da sieht man auf einmal diese Mädchen, die Dinge tun, die man selber vielleicht gar nicht machen würde.

MIMI: Aber man kann definitiv davon profitieren, wenn man sich darauf einlässt. Einfach mal ausprobieren und sich selber kennen lernen. Herausfinden, was man mag und was eben nicht – locker und mit Humor. Es ist immer so leicht Dinge einfach kategorisch abzulehnen, anstatt sich mal mit ihnen auseinanderzusetzen.

KÄTHE: Wenn ich mitbekomme, dass mein Freund Pornos schaut, dann scheint da ja ein bestimmtes Interesse zu bestehen. Ich verstehe nicht, warum viele Frauen das so dramatisieren – anstatt sich mal dazu zu setzen und herauszufinden was ihn daran reizt.

MIMI: Klar, solang es dich stört, macht es ja auch etwas mit dir. Daran sollte man arbeiten und herausfinden, was genau das Problem ist – anstatt Pornos generell mies zu machen. Alle wollen immer so emanzipiert sein, aber anstatt zu lamentieren und sich bedroht zu fühlen, könnte man sich ja auch einfach mal in dieses Gebiet selber vorwagen.

MUSCHIMIEZE: Ihr sprecht da ja durchaus auch einen wunden Punkt an, polarisiert ihr mit eurem Blog? Wie sind da die Reaktionen?

KÄTHE: Nö, überhaupt nicht eigentlich. Wir wollen ja auch die Muddis ansprechen, die Pornos eigentlich schrecklich finden und sie da ran führen. Und das geht auch auf! Viele dieser Frauen schreiben uns, dass sie viel zu lachen haben.

MIMI: Das liegt aber auch an unserer Art, die Dinge zu vermitteln. Wir sind nicht so, wie man es vielleicht aufgrund unseres Porno-Mottos von uns erwarten würde. Wir sind süß und überhaupt nicht rotzig. Wir wollen auch nicht schocken, sondern lieb sein. Wir wollen zuckersüße Uschis sein.

KÄTHE: Das geschieht auch immer so ein bisschen vor dem Hintergrund: ich will Mama die Texte vorlesen können, ohne dass sie im Erdboden versinkt oder meint, sich auf Familienfeiern schämen zu müssen.

MUSCHIMIEZE: Das ist natürlich eine schlaue Herangehensweise, um die Mutti-Zielgruppe zu erreichen!

KÄTHE: Nein, in dem Fall ist es einfach die Angst vor meiner Mama! (lacht)

MIMI: Porno ist eben ein heikles Thema. Es wäre so einfach allen auf die Füße zu treten und zu sagen: hier, staunt! Es ist eine größere Herausforderung zu versuchen, den Leuten unsere Begeisterung für dieses Thema nahezubringen und sie so anzufixen. (lacht)

MUSCHIMIEZE: Die Muttis sind also mit euch zufrieden, wie ist so das männliche Internetecho? Ihr zieht mit eurem Porno-Blog doch bestimmt auch ein Klientel an, das eigentlich ganz andere Intentionen hat, als süße Texte zu lesen…

KÄTHE: Na, es gibt da natürlich immer so Spezialisten. Aber die sind meistens ganz nett.

MIMI: Nett?! Das seh‘ ich aber anders! Neulich hat mich einer einfach so gefragt, ob ich ein Schwanzfoto von ihm haben möchte.

KÄTHE: Das hätte man aber auch missverstehen können. Du hast kurz vorher in einem Artikel geschrieben, dass du Schwanzfotos sammelst. Vielleicht dachte er, er macht dir eine Freude?

MIMI: Aber das ist doch keine Art, sowas einfach so zu fragen. Ich lege Wert auf Etikette.

KÄTHE: Wenigstens hat er vorher gefragt und nicht einfach eine Panoramaaufnahme geschickt!

MUSCHIMIEZE: Die Frauen finden euren Blog also gut und die Männer…?

MIMI: … finden uns auch gut. Manche verstehen aber nicht, was wir da eigentlich machen. Die ziehen es gar nicht erst in Erwägung, dass wir keine Cam-Girls, Escort-Ladys oder Pornodarstellerinnen, sondern Journalistinnen sind! Und wenn man ihnen das erklärt, werden manche pissig. Du kannst im Porno-Bereich eben auch als Frau eine andere Rolle einnehmen, Frauen müssen nicht zwangsläufig auf die Jobs der Darstellerinnen reduziert werden. Wir finden es toll, was diese Frauen machen, aber das sind eben nicht wir.

MUSCHIMIEZE: Ihr macht was ihr wollt, manche finden‘s gut, andere verstehen es nicht. Wie steht ihr beispielsweise zur Pornokritik aus Richtung Alice Schwarzer, die ja bereits in den 80er Jahren eine Anti-Porno-Kampagne ins Leben gerufen hat.

KÄTHE: Also ich kann grundsätzlich erstmal nichts nachvollziehen, was in letzter Zeit von Alice Schwarzers Seite aus kommt.

MIMI: Ich finde auch einiges schwierig, was von feministischer Seite aus kommt. Ich lasse mir meine Sexualität doch nicht von außen regulieren – weder von Männern, noch von Frauen. Solange ich Lust auf etwas habe, ist alles okay.

KÄTHE: Was hingegen nicht okay ist, wenn Alice Schwarzer ihre mittelmäßig ausgelastete Libido auf ganz Deutschland projiziert. Als Maßstab dafür, was Frauen zu gefallen hat und was nicht.

MIMI: Ein beliebtes Argument contra Porno ist ja auch immer wieder, dass nicht alle Pornodarstellerinnen ihren Job freiwillig machen würden. Und das ist schlichtweg falsch. Ich rede jetzt von professionellen Produktionen und nicht davon, was auf irgendwelchen Hinterhöfen oder in Kellern passiert. Ich habe jahrelang Erfahrungen in der Branche sammeln können und die Filme die da hergestellt werden, sind für ein ganz normales Mainstream-Publikum gedacht und nicht für den perversen Außenseiter, der darauf abgeht, wenn Frauen für diese Art von Filmen missbraucht werden. Der normale Pornokonsument möchte eine Frau sehen, die Lust auf das hat, was sie da tut. Und das merkt man den Frauen eben auch an. Da braucht man niemanden von außen, der da irgendwas reguliert – jede Frau hat ihre eigenen Grenzen und die werden bei den professionellen Produktionen, mit denen wir uns beschäftigen, auch eingehalten.

KÄTHE: Außerdem wird immer nur von der Abwertung von Frauen gesprochen – dabei gibt es zahllose Beispiele von Filmen, in denen Männer erniedrigt werden. Machen die so eine Welle? Wir waren bei einem Hardcore-Dreh dabei, wo es hieß, dass die „Damen wie verdammte Königinnen“ behandelt werden sollten. Und dem wurde auch entsprochen. Als es dann zur Sache ging, haben die männlichen Darsteller schon fast verunsichert vorher gefragt, ob sie denn anfangen dürften.

 

Wenn ihr jetzt Lust auf mehr Mimi&Käthe bekommen habt, dann ist meine heutige Muschimission geglückt und ich empfehle wärmstens, diese beiden bezaubernden Damen auf ihrem Blog zu besuchen.

Ein Kommentar

  1. Shu

    Endlich mal jemand, der mit Klischees aufräumt und sich klar von Alice Schwarzer distanziert. Mensch, werde ich da angegafft, wenn ich sage, ich sei Feministin, aber ich stimme Schwarzer nicht zu, da sie sich widerspricht: „Frauen können selbst entscheiden! Keine Frau ist gerne Hure/Pornodarstellerin!“
    Na huch!

    Bitte immer weiter so, ich finde diese Art, sich mit feministischen Themen auseinander zu setzen toll. Deine Schreibweise ist gut, die bezieht auch gleich die totgeredeten Gegeargumente ein („Männer werden auch…“) und beziehen klipp und klar ohne Provokation, dafür um so rationaler Stellung, warum darauf jetzt eben nicht eingegangen wird. Ich liebe dich dafür, ich klaue auch Argumente für private Diskussionen, muss ich zugeben 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: