Miezes Monatsrückblick #3

Wieder ist ein Monat um und eine Menge passiert. Nach einem Amoklauf in den USA wurde der Hashtag #yesallwoman geboren, der mittlerweile als amerikanische Antwort auf unseren deutschen #aufschrei gehandelt wird. Eine feministische Partei ist in Schweden ins EU-Parlament und eine Diva mit Bart zur Siegerin des ESC gewählt worden. Was mir diesen Monat im Netz hängen geblieben ist, erfahrt ihr hier.

 

Barbies ungeschminkte Wahrheit

Was immer ansonsten behauptet wird: ich für meinen Teil bin von der Beeinflussung, der schon früh implizierten Schönheitsideale, durch Barbie & co. überzeugt. Wer sich an seine Kindheit zurück erinnert, der weiß, wieviele unzählige Stunden man mit seinen Lieblingsspielsachen verbracht hat. Seinen eigenen, sich mit der Zeit veränderenden, Körper von Plüschtieren und Robotern abzugrenzen, mag vielleicht noch unproblematisch sein. Zu realisieren, dass das Bild der „perfekten“ (bzw. dann eben auch schnell vermeintlich „normalen“) Frau (allgegenwärtig durch die eigene Barbie-Sammlung daheim) jedoch konstruiert und real überhaupt nicht existent ist, kann man wohl schwer vom Differenzierungsvermögen junger und heranwachsender Mädchen erwarten. Umso erfrischender, dass es mittlerweile eine Reihe Künstler und Künstlerinnen gibt, die sich der Thematik annehmen und mit ihrer Arbeit ein neues Licht auf den längst verinnerlichten Barbie-Standard werfen.

Der Grafikdesigner Eddi Aguirre hat sich daran gesetzt, Barbie mal abzuschminken und sie darzustellen, wie sie Ken wohl morgens nach dem Aufwachen begegnen würde. Ohne Schminke und mit Augenringen – einem anderen Modell hat er mal ein paar (gesunde) Kilos mehr auf die Rippen gelegt. Schön, sich vom Durchbrechen der eigenen Sehgewohnheiten überraschen zu lassen.

Hier geht es zu den Barbie-Arbeiten des Künstlers.

 

Vergewaltigungen in Indien und die bewegenden Ansichten eines zurückgelassenen Mannes

In Indien wurden zwei junge Mädchen Opfer einer Gruppenvergewaltigung und anschliessend getötet. Der Mord hätte vermutlich verhindert werden können, wenn die Polizei auf die Familie der Mädchen eingegangen wäre, als sie das Verschwinden der beiden anzeigte. Dieser Fall ist wieder einmal ein trauriger Etappenhöhepunkt der strukturell verankerten Diskriminierung und Bedrohung von Frauen in Indien. Was muss noch geschehen, in einem Land, dass einerseits durch neue Gesetze versucht, das Unrechtsbewusstsein der Bevölkerung zu schärfen und andererseits in ländlichen Regionen „Gruppenvergewaltigungen“ von einem Dorfrat als „legitimes“ Strafmaß verwendet wird?*

Hier geht es zum Artikel in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (zum aktuellen Fall).

 

Passenderweise erschien vor einigen Tagen ein sehr berührender Artikel aur freitag.de, in dem ein Mann von dem Vergewaltigungsmord an seiner Frau berichtet – und wie er solche Fälle mittlerweile nicht mehr als isoliert zu betrachendes Einzelphänomen wahrnimmt, sondern als strukturell verankertes Systemproblem, welches nicht nur durch die herausstechenden Gewalttaten von ausübenden „Bestien“ und „Monstern“ konstruiert, sondern auch von vielen kleinen Gesten und Gewohnheiten der „Nicht-Täter“ gestaltet und forciert wird.

Hier geht es zum Artikel „Mythos vom Monster“ auf freitag.de.

*Als Strafe dafür, dass sie sich auf den „falschen“ Mann eingelassen hätte und die dafür verhängte Geldstrafe nicht sofort begleichen konnte – ihr Freund (der ebenfalls zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist) erhielt hingegen eine verlängerte Frist zur Begleichung des Betrags.

 

Mädchenrock-Debakel

In welchem Jahrhundert leben wir doch gleich? Kaum zu fassen, dass selbst im Jahr 2014 noch empörte Konservative aus ihren Löchern kriechen, um sich über Jungen in Damenröcken zu echauffieren. An einem Aktionstag unter dem Motto „Ce que soulève la jupe“ (etwa: „was der Rock für Fragen aufwirft“ / „was verbirgt der Rock“) wurden Schüler einer westfranzösischen Schulakademie für einen Tag dazu eingeladen dieses typisch weiblich konnotierte Kleidungsstück zum Unterricht anzuziehen. Damit wollen sie ein Zeichen gegen Sexismus und Machogehabe setzen.

Die Antwort einer konservativen Bürgergruppe formierte sich in einer lautstarken und eierwerfenden Gegenaktion vor den Schultoren.  Mit den bereits mehr als abgegriffenen und allseits bekannten Phrasen („Jungen und Mädchen – gleich, aber nicht identisch“) haut der wütende Mob in die immer wieder gleiche Kerbe und verkennt dabei einmal mehr das eigentliche Anliegen der Aktivisten. Die Frage, warum das Bild „Mann in Frauenkleidung“ überhaupt soviel Unbehagen und offenkundige Aggressionen auslöst und was das für vielseitige Folgen in unserer Gesellschaft haben kann, stellen sich die erzürnten Gegnerinnen und Gegner anscheinend immer noch nicht.  Schade Marmelade.

 

Wurst-Ästhetik

Der (zunächst) Antritt und (später) Sieg von Conchita Wurst beim ESC entfache in Europa eine hitzige Debatte über Geschlechterklischees und deren Funktion. Das Spiel mit Geschlechterattributen und deren unkonventionelle Kombination ist nicht ganz neu (siehe Gloria Viagra), aber, in diesem Fall gelingt es der Akteurin nicht nur zu verwirren und zu „schockieren“ – sie vermag es auch, diesem (für manche Menschen) „provokanten“ Auftreten durch eine ganz eigene Ästhetik und nicht zuletzt musikalischem Können Legitimation zu verschaffen.

Einen schönen Beitrag habe ich diese Woche auf freitag.de gefunden, der die Ästhetik der Wurst beleuchtet.

 

Amoklauf aus Frauenhass?

Im US-amerikanischen Kalifornien kam es zu einem Amoklauf. Der 22-jährige Täter berichtete vorher in einem Internetforum von seinen Problemen mit und dem Hass auf Frauen – was die Inspiration zu dem Hashtag #yesallwoman lieferte. #yesallwoman wird mittlerweile als Pendant zum deutschen #aufschrei gehandelt und bietet derzeit Grundlage für zahlreiche weiterführende Sexismus-Diskussionen.

#yesallwoman

Ein bezeichneneder #yesallwomen-Tweet, der wohl den meisten Frauen bekannt vorkommen dürfte. Ein „Nein“ reicht oft nicht – da muss erst der erfundene Freund herhalten.

 

Hier geht es zu einem Artikel auf n24.de

 

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein! Es ist der Not-All-Man!

Für die meisten ist er schon längst kein Phantom mehr, sondern die reale Antwort auf viele feministische Fragen: der Not-All-Man tritt dann in Erscheinung, wenn es eigentlich um die Ungleichbehandlung von Frauen geht.  Als „Verteidiger der Verteidigten, Beschützer der Beschützten, Stimme der Stimmgewaltigen.“ lässt der Not-All-Man es nicht zu, dass auch nur einer seiner Geschlechtsgenossen jemals in Sippenhaft genommen wird – und torpediert so jede noch so differenzierte Diskussion mit pauschalen Totschlagargumenten. Eine kurzweilig unterhaltsame Interpretation des mittlerweile schon oft und gern verwendeten „Not-All-Man“-Themas des Comiczeichners Matt Lubchansky.

Beitrag von Spiegel Online zu dem Thema.

 

Feministische Partei ins Parlament gewählt

In schweden wurde die feministische Partei „Feministiskt Initiativ“ ins Parlament gewählt. Sie setzt sich für die Rechte von Frauen und Minderheiten ein (die Spitzenkanditatin Soraya Post ist selbst gebürtige Romni). Den Slogan „Rassisten raus, Feministen rein“ finde ich persönlich ein bisschen schwierig, auch grundsätzlich mache ich mir so meine Gedanken darüber, inwiefern eine „feministische“ Partei sinnvoll ist (statt einer „Gleichberechtigungs“-Partei), allerdings klingen die angestrebten Ziele im Großen und Ganzen unterstützenswert. Ein Gegengewicht zu rechten Strömungen ist ohnehin zu begrüßen.

 

 

 

2 Kommentare

  1. Bombe 20

    In einem anderen Fenster habe ich noch einen sachlichen Kommentar zu Deinem 24h-Polizei-Post stehen. Mal sehen, ob ich noch Lust habe, ihn zu posten, wenn ich mit diesem fertig bin.

    Dieser Fall ist wieder einmal ein trauriger Etappenhöhepunkt der strukturell verankerten Diskriminierung und Bedrohung von Frauen in Indien.

    Land, in dem Feministinnen Gesetz verhindern, das Vergewaltigung geschlechtsneutral definiert hätte. Land, in dem Tod einer Ehefrau a priori als Mord und Familie des Ehemanns als verdächtig gilt. Land, in dem es Tradition ist, daß Frauen ihrem Bruder als Dank für seinen Schutz einmal im Jahr ein (Pfennigartikel-)Wegwerfarmband schenken. Land, das lange vor Deutschland seinen ersten weiblichen Regierungschef hatte. Land, in dem ganze Bevölkerungsgruppen vollkommen geschlechtsunabhängig noch immer als unberührbar gelten.

    Land, das offensichtlich besonders charakterisiert wird durch seine strukturell verankerte Diskriminierung und Bedrohung von Frauen.

    ein Mann von dem Vergewaltigungsmord an seiner Frau berichtet – und wie er solche Fälle mittlerweile nicht mehr als isoliert zu betrachendes Einzelphänomen wahrnimmt, sondern als strukturell verankertes Systemproblem,

    Mensch in psychischer Extremsituation sucht Erklärung für sein Leid. Ist (gerade deswegen?) offensichtlich qualifizierter dazu als größte einschlägige Organisation in den USA, RAINN.

    Damit wollen sie ein Zeichen gegen Sexismus und Machogehabe setzen. […] Die Frage, warum das Bild “Mann in Frauenkleidung” überhaupt soviel Unbehagen und offenkundige Aggressionen auslöst und was das für vielseitige Folgen in unserer Gesellschaft haben kann, stellen sich die erzürnten Gegnerinnen und Gegner anscheinend immer noch nicht.

    Die Antwort, daß Männer heute noch immer in einem sehr viel engeren gesellschaftlichen Stereotypen-Korsett stecken als Frauen, würden sie von den Veranstaltern allerdings auch nie bekommen. Die wollen dieses schließlich nicht erweitern, sondern lediglich verschieben, so daß in Zukunft eine andere Form von Männlichkeit schlecht und inakzeptabel ist.

    Sexismus gibt es schließlich nur gegen Frauen („weibliche Diskriminierung“ laut Artikel) und Machogehabe ist nur bei Männern schlecht.

    Mit den bereits mehr als abgegriffenen und allseits bekannten Phrasen (“Jungen und Mädchen – gleich, aber nicht identisch”)

    Noch originalverpackt und völlig unberührt dagegen die Phrase „Männer und Frauen sind vollkommen gleich und identisch. Deshalb brauchen wir Vorzugsbehandlung für Frauen!“; Name der Verpackung: Ilse Lenz.

    Im US-amerikanischen Kalifornien kam es zu einem Amoklauf. Der 22-jährige Täter berichtete vorher in einem Internetforum von seinen Problemen mit und dem Hass auf Frauen – was die Inspiration zu dem Hashtag #yesallwoman lieferte.

    Psychisch Kranker findet keine Freundin und entwickelt daraufhin Haß auf Männer, die mehr Glück haben als er, und Frauen, die ihn abblitzen lassen. Spricht öffentlich darüber, alle Männer sowie die Frauen, bei denen er nicht landen konnte, zu töten. Läuft schließlich Amok und tötet dabei vier Männer und zwei Frauen.

    Offensichtlicher Grund: Misogynie. Frauen besonders betroffen!
    (Besonders besonders betroffen wohl die, die ihn nach der Tat „hot“ oder „cute“ finden…)

    Als “Verteidiger der Verteidigten, Beschützer der Beschützten, Stimme der Stimmgewaltigen.” lässt der Not-All-Man es nicht zu, dass auch nur einer seiner Geschlechtsgenossen jemals in Sippenhaft genommen wird – und torpediert so jede noch so differenzierte Diskussion mit pauschalen Totschlagargumenten.

    Suchbild: Dieser Satz enthält sieben Fehler.
    Gegenposition zum Beispiel auf man tau (inkl. Kommentare).

    Es ist wirklich frustrierend, immer abwechselnd einen guten, ausgewogenen Artikel von Dir zu lesen und dann wieder sowas…

    Bombe 20

    • Zum Thema Indien:

      – In einem Land, in dem alle 20 Minuten eine Frau oder ein Kind vergewaltigt wird.
      – In einem Land, in dem die Regierung Frauen in Slums empfiehlt, nach 18 Uhr das Haus nicht zu verlassen.
      – In einem Land in dem es mittlerweile spezielle Taxidienste gibt, weil Frauen alleine unterwegs damit rechnen müssen, sexuellen Übergriffen ausgesetzt zu werden.
      – Wir sprechen von einem Land, in dem Touristinnen von offizieller Reiseveranstalterseite geraten wird, sich nicht freizügig zu kleiden und nicht zu flirten, weil indische Männer das als Einladung sehen würden. (Gemeinhin werden Frauen ja immer gerne für das Unrecht, das ihnen zuteil wird, selbst verantwortlich gemacht. Müssen sich Männer eigentlich auch Gedanken um zu freizügig gewählte Kleidung machen?).
      – In einem Land, in dem das „Problem“ bei einer Vergewaltigung oft eher in der „Beschmutzung der Ehre“ der Frau, als in der Tat selber gesehen wird.
      – In einem Land in dem Spitzenpolitiker Vergewaltigungen als „versehentlich“ oder „manchmal richtig“ bezeichnen. („Solche Dinge passieren nicht absichtlich. So etwas geschieht versehentlich“, R. Paikra/Innenminister von Chhattisgarh // „Manchmal ist es richtig, manchmal ist es falsch“ B. Gaur / Innenminister von Madhya Pradesh)
      – In einem Land, in dem Töchter ihren Eltern dankbar dafür sind, dass sie sie nicht aufgrund ihres Geschlechts bereits als Baby getötet haben.
      – In einem Land, in dem es für Frauen teilweise eigene Zugabteile gibt, da sie auf engem Raum zu sehr von den Männern in ihrer Umgebung bedrängt werden.
      – In einem Land, in dem „Ehemann“ schon von der Sprachbedeutung her gleichzeitig auch „Besitzer“ heißt.
      – In einem Land, in dem die Presse nach einer Vergewaltigung fragt, weshalb das Mädchen sich auch alleine in eine Eisdiele gegangen ist.
      – In einem Land, in dem es sogar noch vereinzelt Witwenverbrennung gibt…

      … könnte ewig in deinem Tenor so weitermachen.

      Das Frauenbild in Indien in verheerend. Die Gewalt beginnt manchmal schon bei weiblichen Säuglingen (Mord/Verwahrlosung), weil es sich wirtschaftlich nicht „lohnt“ in Mädchen zu investieren. Wie in vielen patriarchal geprägten Gesellschaften üblich, werden Mädchen oft versachlicht, verheiratet und fremd bestimmt.

      Du siehst es als Kritikpunkt, dass sich Mädchen deiner Meinung nach nicht angemessen bei ihren Brüdern für deren Schutz bedanken* – und übersiehst dabei das Offensichtlichste: nur in einer Gesellschaft, in der es überhaupt notwendig ist, dass eine Frau im Alltag von einem MÄNNLICHEN Familienangehörigen beschützt wird (und dies offenbar auch gang und gäbe ist), ist man als Frau (aufgrund des Geschlechts) massiven (und ja ich bleibe dabei) strukturell bedingten Gefahren ausgesetzt. Schliesslich könnten sonst auch Frauen die Rolle der schützenden Schwester einnehmen. Aber schutzbedürftig sind nur Personen, denen nicht grundsätzlich (beispielsweise durch ihr Mensch-Sein) Respekt, Fairness und Menschlichkeit entgegen gebracht wird.

      Du führst an, dass Männer a priori des Mordes verdächtigt werden und lässt dabei unter den Tisch fallen, dass vermutlich ca. 106 000 Frauen allein im Jahr 2009 durch Mitgiftmorde DURCH IHRE EHEMÄNNER und Schwiegereltern ermordet worden sind (http://www.welt.de/vermischtes/article120782429/Brautverbrennung-ist-die-beliebteste-Methode.html).
      Das führst du als Argument an, dass Frauen in Indien ja gar nicht so stark unter strukturellen Benachteiligungen zu leiden hätten… ist das dein Ernst? Du sagst in meinen Augen sinngemäß, dass Männer schnell falsch verdächtigt werden, sei ein Indiz dafür, dass Frauen nicht so stark benachteiligt werden wie gedacht – dass sie aber aufgrund ihres Geschlechts (und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Zuschreibungen/Traditionen) massenfach ermordet werden, ignorierst du? Männliche Falschverdächtigung gegen weiblichen Tod. Ja, wahrscheinlich hast du Recht. Den Frauen in Indien geht es vermutlich sogar noch viel zu gut, denn was ist das für ein Staat, in dem Frauen lediglich reihenweise von ihren Männern ermordet, aber Männer ausgehend von diesem Fakt teilweise zu Unrecht des Mordes beschuldigt werden?! Da hat man es als Mann im Vergleich schon nicht leicht. Sorry, grundsätzlich bin ich natürlich nicht dafür, falsche Beschuldigungen zu verharmlosen (zu Unrecht beschuldigte Männer haben es sicher nicht leicht und das Recht auf Aufklärung), aber in diesem Zusammenhang (sprich deiner ziemlich einseitigen Darstellung der Sachlage) regt es mich einfach ein wenig auf.

      Ja, du hast Recht damit, dass das Kastensystem in Indien grundsätzlich furchtbar ist (und ganz nebenbei noch der Grund, weshalb Dalit-Frauen als sexuell verfügbares Freiwild gelten). Das ändert aber nichts daran, dass Frauen in Indien grundsätzlich einen schlechten Status haben und alltäglich mit sexuellen Übergriffen zu kämpfen haben.

      Dass es auf den ersten Blick befremdlich erscheinen mag, dass Feministinnen in Indien so empört auf die geschlechtsneutrale Formulierung reagiert haben, liegt insbesondere an unserem privilegierten Blick auf die Dinge: die Situation der indischen Frauen ist ausgehend von unserer Gesellschaft schlicht schwer nachvollziehbar. Grundsätzlich sollten Anti-Vergewaltigungs- und Gewaltgesetze natürlich geschlechtsneutral formuliert werden. Aber ich kann auch gut nachvollziehen, dass es für die Frauen dort wie der blanke Hohn klingen muss…(Vergleich: wie fühlt sich ein schwarzer Mensch, der vor über 60 Jahren in den USA auf seine Forderung nach Gleichbehandlung den Vorschlag zu einem Gesetz erhält, dass auch weiße Menschen vor der Diskriminierung durch Schwarze schützt – klingt einfach ziemlich zynisch**).

      Und du bringst zudem auch ziemlich leichtfertig die Rolle Indira Gandhis ins Spiel. Ob sie als Frau ohne den berühmten (männlichen *hust*) Großvater die Möglichkeit gehabt hätte, eine derart mächtige Position in diesem Land einzunehmen, ist die nächste Frage. Abgesehen davon ist der Fakt, dass eine Frau eine mächtige Position innehat ist, sicher nicht der einzige Indikator dafür, ob eine Gesellschaft nun gleichberechtigt und wenigstens komplementär ausgerichtet ist.

      Ich kann dir diesen Beitrag hier empfehlen: http://mobil.morgenpost.de/politik/ausland/article112397724/Sexuelle-Uebergriffe-sind-fuer-Frauen-in-Indien-Alltag.html
      Die Frau beschreibt, wie sie in Indien alltäglich mit sexuellen Übergriffen zu kämpfen hat. Ich persönlich wurde übrigens das letzte Mal Samstagnacht von einem Typen in der Schlange vor einem Club angegrabscht (mehrfach massiv an mich rangedrängelt und mich nebenher befühlt). Wenn ich mir vorstelle, dass dir das als Inderin nicht nur gelegentlich, sondern permanent in jeder noch so alltäglichen Lebenssituation passiert, wird mir richtig übel. Natürlich ist nicht jeder Grabscher ist gleich ein Vergewaltiger. Aber es ist und bleibt eine Grenzüberschreitung. Wenn solche Grenzüberschreitungen an der Tagesordnung sind, fast schon als „normal“ gelten und so eine Art merkwürdiger Legitimität erlangen (immerhin werden nach wie vor die Frauen dazu angehalten, sich anders zu verhalten und den Männern aus dem Weg zu gehen, anstatt die ausübenden Männer dazu anzuhalten, sich anders zu verhalten), dann ist es kein Wunder, dass in solchen Gesellschaften viele sexuelle und besonders brutale weiterführende Übergriffe stattfinden.

      *Was du lediglich an einem bestimmten Ritual festmachst und maßt dir darüber hinaus noch an, über einen traditionellen Brauch einer anderen Kultur so wertend zu urteilen. Ob indische Frauen tatsächlich den „Schutz“ durch ihren Bruder nicht zu schätzen wissen und diesen nicht ausreichend anerkennen (wie du es ja darstellst), darüber kannst auch du nur spekulieren. Außerdem würde mich sehr interessieren, woraus du schliesst, dass ausgerechnet das Raksha Bandhan-Fest (bei dem Liebe, Zuneigung, Verbindung, Dankbarkeit etc. im Mittelpunkt stehen) ein Zeichen von fehlender Anerkennung männlicher Leistungen sein soll. Vielleicht kann ich ja noch was dazu lernen.

      **Ja, der Vergleich hinkt an der ein oder anderen Stelle, ich will nur verdeutlichen, worum es mir im Prinzip geht.

      Zum Thema Mann der was zum Vergewaltigungsmord an seiner Frau schreibt:

      Auch RAINN markiert Frauen (nicht Männer) als besonders betroffene Gruppe hassmotivierter Sexualstraftaten.
      Abgesehen davon hätte der Autor sich auch schön in das Bild das psychisch kranken Monsters flüchten können – aber genau davon hat er durch den Prozess Abstand gewonnen. Finds ein bisschen einfach, seine Erfahrungen und Einschätzungen so kurz angebunden und wenig begründet abzuwerten.

      Zum Thema Jungs in Mädchenröcken:

      Stereotype betreffen auf jeden Fall beide Geschlechter (und solltest du tatsächlich, wie du ja weiter unten behauptet hast, mehr als die von dir kommentierten Artikel auf meinem Blog gelesen haben, dann weißt du auch, dass ich Rollenbilder grundsätzlich kritisiere und für Männer und Frauen gleichermaßen schwierig finde)!

      Ich persönlich habe diese Aktion auch nicht alleinig als Akt gegen weibliche Diskriminierung wahrgenommen und dargestellt. Weiterführende Links geben nicht immer in jedem Wortlaut meine persönliche Einschätzung und Wahrnehmung wieder. In meinen Augen sind Geschlechterstereotype für beide Seiten massiv limitierend, wobei Jungen teilweise schneller auf offen gezeigte Ablehnung und Entwertung stossen, wenn sie beispielsweise einem Männlichkeitsideal nicht entsprechen (Frau in Anzug=ok, Mann in Kleid=eklig). Allerdings könnte man natürlich auch hier die Frage stellen: warum werden denn ausgerechnet WEIBLICH konnotierte Kleidungsstücke an Männern und nicht männlich konnotierte an Frauen abgelehnt? 😉

      Zu der originalverpackten Phrase:

      Da der Name der Verpackung nicht „Muschimieze“ ist, fühle ich mich auch herzlich wenig von diesem Argument angesprochen (das du ja immerhin als Erwiderung auf MEINEN Beitrag gegeben hast) und werde mir daher auch die Zeit sparen, inhaltlich darauf einzugehen.

      Zum Amoklauf:

      Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass der Amoklauf Anlass für den Hashtag gegeben hat. Inwiefern ich das jetzt als berechtigt ist oder nicht beurteile, habe ich in keiner Sekunde kommentiert.

      Zum Not-All-Man:
      Hier gehen die Meinungen wohl auseinander. Ist auch ok. Ich bin vom „aber nicht alle Männer“-Argument manchmal echt genervt, weil ich mich selten pauschalisierend äußere und auf diese Art von Derailing einfach keine Lust mehr habe.
      Dass sich auch Männer manchmal auf den Schlips getreten fühlen, wenn sie von irgendwem über einen Kamm geschoren werden, kann ich verstehen – aber um ehrlich zu sein, sehe ich persönlich in den Verfassern solch nachvollziehbarer Rechtfertigungen auch nicht unbedingt die vom Comic gemeinten Schreihälse.

      Zum Abschluss:

      Ich find manchen Kommentar, mit dem ich konfrontiert werde, zuweilen auch sehr frustrierend… aber dass es anscheinend überhaupt Artikel von mir zu geben scheint, die du als „gut“ und „ausgewogen“ bezeichnest, erfüllt mich mit Zuversicht 😉

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