Miezes Monatsrückblick #4

Mit einer kleinen Sommerpausen-Verzögerung melde ich mich mit dem aktuellen Monatsrückblick zurück – als Entschuldigung habe ich das großartige neue Logo und eine Illustration auf meiner About-Seite von Paraskewi Palaska im Gepäck. Was mich während meiner Abwesenheit im Juni beschäftigt hat, möchte ich euch nicht weiter vorenthalten.

Schland-Terror

Eins gleich mal vorneweg: Ich hege keinen grundsätzlichen Groll gegen Fußball als Sport. Und auch die Tatsache, sich aus persönlichen Gründen für die Dauer eines Spieles auf die Seite einer Mannschaft, oder bei anderen Sportarten eines Sportlers oder einer Sportlerin, zu schlagen, ist sicher weitestgehend legitim. Das Ausmaß jedoch, mit welchem Enthusiasmus und allgegenwärtiger Selbstverständlichkeit dieser immer wieder gern als „gesund“ deklarierter Patriotismus dieser Tage zelebriert wird, bietet nicht zuletzt die Grundlage für Ausgrenzungen und legitimiert nun ganz salonfähig rassistische Darstellungen. Wer dem ganzen WM-Terror ebenfalls kritisch gegenübersteht, sollte sich die Facebook-Seite von Schland-Watch mal genauer anschauen.

Hier wird nicht nur deutlich, wie Ausgrenzung und Abwertung des gegnerischen Landes betrieben wird – auch das Machtgefälle zwischen Mann und Frau wird manifestiert, indem die unterlegene Mannschaft als „gefickt“ dargestellt wird. Bravo! Hier werden gleich mehrere fragwürdige Stereotype bedient.

„Ergebnis einer Twitter-Suche unmittelbar nach dem Spiel Uruguay gegen England.“

Junge Freiheitliche & „echte“ Frauen

Mit dem Slogan „Lass dich nicht Linken – echte Frauen sehen so aus!“ werben die jungen Freiheitlichen in Österreich neuerdings für ein überholtes Frauenbild, das Rollenstereotype festigt und somit Benachteiligungen und Asymmetrien zwischen den Geschlechtern legitimiert und weiter ausbaut. Neben dieser ohnehin schon mehr als fragwürdigen Aussage, ziert dann auch noch eine nackte, blonde, blauäugige, schlanke Frau das Geschehen. Wer nun glaubt, diese penetrante Eindimensionalität und Stammtischniveaumentalität könne nicht übertroffen werden, dem sei noch dieser letzte Satz von der Webseite der RFJ ans Herz gelegt: „Wir werden dafür sorgen, dass das echte Frauenbild wieder akzeptiert wird und die heutigen Frauen nicht traurig darüber sein müssen, dass ihnen kein Bart wächst und sie keinen Penis haben.“

Also ich habe noch keine Frau erlebt, die traurig darüber war, dass ihr kein Bart gewachsen ist. Aber schon einige, die sich aufgrund des Frauenbildes, wie es diese Kampagne als „echt“ und „richtig“ propagiert, völlig in den Wahnsinn getrieben haben, hungerten und sich nie selber akzeptieren konnten. Schön, wie sich die Initiatoren und Initiatorinnen an dieser Stelle so plakativ selber demontieren.

Ein Interview mit Werner Wassicek (RFJ) findet ihr auf der Seite der VICE.

 

Konservativ, Sexistisch, Rechts – alles in Einem! Wie praktisch.

 

Emanzipation erreicht Lego?

Genauer betrachtet, bietet das Produktsortiment von Lego viel Anlass zum Ärger: Figuren die aktive, vielfältige und aufregende Tätigkeitsfelder repräsentieren sind in der Regel männlich und auf eine männliche Zielgruppe ausgelegt. Für Mädchen gibt es eine gesonderte Edition in lila, genannt „Friends“, und deckt all das ab, was der Hersteller als „Mädchentätigkeiten“ vorsieht: Shopping, Smoothies trinken, Freunde treffen, süße Tiere. Da bleibt eben nicht mehr viel Zeit für Technik, Geschicklichkeit und um die Welt zu retten. Doch das Unternehmen gelobt nun Besserung und möchte noch diesen Sommer eine Reihe mit Wissenschaftlerinnen auf den Markt bringen. Bleibt die Frage, warum diese Idee erst durch die Plattform „Lego Ideas“ aufkommen musste, auf der Fans ihre Produktwünsche äussern können. Nicht ganz befriedigend, aber wenigstens ein Anfang. Mehr zu dem Thema auf Femgeeks.

 

Abwimmel-SMS dank Telefeministinnen

Neulich bin ich auf die deutsche Version der „Feminist Phone Invention“ gestossen. Die „Abwimmel-SMS“ kann immer dann eingesetzt werden, wenn ein Typ allzu aufdringlich wird und sich nicht ohne deine Nummer verziehen möchte.

„Mit dieser Nummer könnt Ihr nicht nur Eure private Nummer für Euch behalten und hört nie wieder von der ungewollten Bekanntschaft. Es kommt automatisch eine Antwort: Zitate von Feminist*innen (bell hooks, Virginia Woolf, Rosa Luxemburg, Audre Lorde, Simone de Beauvoir etc) gleichen offensichtliche Wissenslücken aus.“

Ob es tatsächlich (nicht zuletzt für das eigene Selbstvertrauen) sinnvoll ist, einen penetranten Macho mit einer falschen Nummer abzuspeisen, statt ihn mit einer realen Abfuhr zu strafen, muss wohl jede für sich selber entscheiden. Sicher können solche Situationen schnell unangenehm werden und sogar eskalieren, da ist Plan-B mit der falschen Nummer schon immer eine verlockende Alternative gewesen. Ich persönlich habe jedoch schon Situationen erlebt, in denen ich dazu gedrängt worden bin, mich direkt vor Ort anklingeln zu lassen, um die Nummer direkt überprüfen zu können. Wer also besonders übergriffig ist, kann von solchen Aktionen womöglich sogar noch zusätzlich provoziert werden.

Abgesehen davon, finde ich die Message, die hier indirekt mitschwingt, auch nicht unbedingt zielführend: das Heimweg-Telefon ist sehr stark in den Fokus feministischer Kritik geraten, da es indirekt impliziert, dass man sich als Frau kaum frei draussen bewegen kann, ohne massiven Gefahren ausgesetzt zu sein. Ich habe zwar auch schon einige, sehr aufdringliche Männer erlebt, aber grundsätzlich davon auszugehen, dass jeder gekränkte Party-Prolet dich gleich angreift oder vergewaltigt, nur weil du nicht auf seine Forderungen eingehst, schlägt in meinen Augen in genau die gleiche Kerbe. Warum soll ich als Frau mit dem Gedanken herumlaufen, dass ich eine Notfall-Nummer brauche, um mich vor solchen Übergriffen schützen zu können? Warum werde ich stattdessen nicht dazu ermutigt, mich klar zu artikulieren und für meine ganz persönlichen Grenzen einzustehen? Die Grundidee der „Abwimmel-SMS“ ist ganz amüsant und wenn sie der ein oder anderen Frau hilft und ihr ein sichereres Gefühl gibt, ist das sicher auch erfreulich. Daher teile ich den Link hier, auch wenn dieses Konzept für mich persönlich nichts ist.

Refugees welcome!

refugees_welcome

Wer in Berlin lebt, konnte die Folgen der chaotischen Flüchtlingspolitik hierzulande vergangenen Monat hautnah miterleben. Eine von Flüchtlingen besetzte Schule in der Ohlauer Straße sollte geräumt werden. Die Straße ist großraumig abgesperrt und tagelang von hunderten, schwer bewaffneten, Polizistinnen und Polizisten permanent bewacht worden. Die Lage hat sich immer weiter zugespitzt, nachdem unter anderem Flüchtlinge mit Selbstmord drohten.
Das großzügige Polizeiaufgebot, die Ausweiskontrollen für Anwohner, abgesperrte Lokale und deren Umsatzeinbußen – all das wirkte zunehmend unverhältnismäßig, angesichts der Tatsache, dass die Flüchtlinge lediglich eines forderten: endlich Fakten! Endlich ein Bleiberecht unter klaren Bedingungen.
Nach meiner letzten Information, wurden allein für die Personalkosten des Polizeieinsatzes über 5 Millionen Euro investiert. Eine Mindestversorgung auf Hartz-IV-Niveau wird den Flüchtlingen hingegen verwehrt. Traurige Bilanz.

Beiträge der taz.

Dünn, Dünner, Abercombie & Fitch

Die Modemarke Abercombie & Fitch hat sich (mal wieder) unbeliebt gemacht. Mit der neuen Kleidergröße „Triple Zero“ wird Mädchen und Frauen suggeriert, dass eine Kleidergröße, jenseits normaler Maße und gesunder Körperproportionen, „normal“ und womöglich sogar erstrebenswert sei. Die Größe ist für „Frauen“ (hust) mit einem Hüftumfang von 58 Zentimetern ausgerichtet – ein Maß, das für 8-jährige Mädchen normal ist. Sicher gibt es auch Frauen, die von Natur aus sehr sehr dünn sind – dennoch bleibt bei der Sache ein fader Beigeschmack zurück.

Hier ein Beitrag in der SZ-Online.

 

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