Free Your Boobs!

Es ist Sommer. An einem besonders heissen Tag verzichte ich auf meinen BH und muss eine böse Überraschung erleben. Denn Brüste scheinen in dieser Gesellschaft – von der Autowerbung bis zur Titelseite – überall ok zu sein. Nur am weiblichen Körper nicht.

Dass mir bereits auf dem Weg zur Arbeit dutzende Männer penetrant auf den Oberkörper starren, perlt regelrecht an mir ab. Denn angeglotzt zu werden, ist dem Frau-sein so inhärent, wie das allmonatliche Rumgeblute. Es verunsichert mich so wenig, wie es mich verwundert und gehört eindeutig zu den Dingen im Leben, mit denen ich mich mit der Zeit zähneknirschend abgefunden habe.

Erst als ich auf der Arbeit von einem Handwerker angesprochen werde, steigt langsam die Wut in mir hoch.

„Ist das nicht zu aufreizend für die Arbeit?“, fragt er mit einem netten Lächeln. Doch Freundlichkeit schützt vor Dummheit nicht.

Ich schaue zunächst an mir, dann an ihm herunter. Meine Brüste sind nur unwesentlich größer, als die bewarzten Speckröllchen, die er selber, anscheinend voll ignoranter Selbstverständlichkeit, vor sich herschiebt.
Bei mir zeichnet sich allerdings erheblich weniger unter dem weiten, blickdichten Shirt ab, als unter seinem hautengen und durchschwitzten Tanktop. Trotzdem scheint meine BH-losigkeit für ihn Anlass zur Thematisierung zu sein, während es nicht der Rede Wert zu sein scheint, dass die arme Welt schonungslos mit seinen eigenen ausladenden Rundungen konfrontiert wird.

In weiser Voraussicht hatte ich bereits ein locker sitzendes Oberteil gewählt, ohne Ausschnitt und mit Ärmeln, unter dem man meine Figur kaum erahnen konnte. Nur bei manchen Bewegungen zeichneten sich meine Brüste natürlich mehr ab, als wenn sie in zwei gleichförmig gepolsterte Schalen gepresst gewesen wären. Mein Kleidungsstil an diesem Tag ist wirklich alles andere als „aufreizend“. Und nur, weil ich meine Brüste anscheinend gesellschaftlichen Normen entsprechend nicht fachgerecht präsentiert habe, nimmt sich nun eine wildfremde Person das Recht heraus, dies zu bewerten und offen zu thematisieren.

Meine Brüste sind keine Auslage, an der sich jeder nach Belieben und Verfügbarkeit visuell, verbal oder gar handgreiflich bedienen kann.

Die Unterstellung, ich hätte mir mein Outfit morgens ausgesucht, um meine männlichen Mitmenschen ganz bewusst „aufzureizen“, ist regelrecht beschämend. Hier werde ich aufgrund einer spontanen, persönlichen Entscheidung, ungefragt und offenkundig zur barbusigen Lolita stilisiert. Verunsichert bleibt man dann mit dem klebrig-angewiderten Gefühl zurück, sich selbst zum Sexobjekt degradiert zu haben.
Doch selbst wenn ich in High Heels und Dessous zur Arbeit erschienen wäre, obläge es im Zweifel immer noch meiner Chefin, diese Kleidung gegebenenfalls als unangemessen zu tadeln. Angesichts der Tatsache jedoch, dass ich meinem Kritiker ungeschminkt, in sportlichen Shorts und Birkenstocks gegenüber stand, erscheint die ganze Situation nur umso absurder. „Aufreizend“ sieht anders aus.

Ich will in meinem Alltag nicht mit den Fantasien fremder Männer konfrontiert werden, die anscheinend glauben, dass eine Frau in meinem Alter nichts Besseres zu tun hat, als sich gemäß der gierigen Gelüste greiser Männer zu kleiden.
Wenn ich mir morgens Klamotten raussuche, dann denke ich in erster Linie an mich selber und nicht an fiktive, notgeile Männer die mir im Laufe des Tages begegnen könnten – woher kommt eigentlich diese selbstgefällige Arroganz zu glauben, ich würde meine Kleidung nach fremden Erwartungen und Ansprüchen wählen?
Wenn ich der Meinung bin (ich Flittchen!), am heißesten Tag des Jahres, auf den beengenden, scheuernden und unbequemen BH zu verzichten, dann wird diese Entscheidung auf einmal zum öffentlichen Ärgernis – denn meine Brüste, da muss ich wohl was missverstanden haben, sind keinesfalls Privatsache, sondern die Legitimation für übergriffige Bemerkungen, Blicke und Bewertungen.

Offensichtlich scheint es also nicht nur ein männliches Privileg zu sein, sich seiner Oberbekleidung nach Lust und Laune entledigen zu können – nein, auch der Verzicht auf kaschierende Unterbekleidung ist anscheinend eine Option, die Frauen in dieser Gesellschaft nicht zuzustehen scheint.

Während nackte Brüste auf Titelseiten von Tageszeitungen, in Videoclips und Werbeanzeigen völlig selbstverständlich sind, kann die Präsentation der nackten (weiblichen!) Brust im Alltag, sogar als Etikettenverstoss geahndet werden. Sprich: Verkaufe ich meine Brüste als Ware, wird dies gesellschaftlich akzeptiert – privat darf ich mit ihnen jedoch keineswegs machen was ich will, nein, ich muss sogar mit sozialer Ächtung rechnen, sofern ich sie allgemeinem Empfinden nach zu „freizügig“ präsentiere. Brüste als Ware? Ok! Brüste als natürlicher Teil meines Körpers? Auf keinen Fall! Wie Schizophren.

Ich verstehe nicht, wie unsere Gesellschaft Frauen einerseits so sexualisiert darstellt und wahrnimmt, das Verhüllen jedoch ebenso selbstverständlich zum Frau-sein dazu rechnet. Dieser Mechanismus scheint so grundlegend in unseren Köpfen verankert zu sein, dass er selber unsichtbar ist und den meisten Menschen überhaupt nicht bewusst zu sein scheint.

 

Einige Tage später, beobachtete ich im Park ein kleines Mädchen, vielleicht drei oder vier Jahre alt, wie es in einem Bikini auf dem Rasen spielte. Die Jungen daneben trugen lediglich eine Badehose. Und noch bevor ich artikulieren konnte, was mich an diesem Anblick genau störte, stieg das gleiche Unbehagen in mir hoch, das mir bereits durch das Gespräch mit dem Handwerker bekannt war.
Warum muss man den Oberkörper eines kleinen Mädchens, der sich anatomisch in keiner Weise von dem der gleichaltrigen Jungen unterscheidet, bereits kaschieren und verhüllen? Findet hier nicht bereits eine völlig unnötige Sexualisierung des unbedarften Kinderkörpers statt? Bringen wir kleinen Mädchen auf diese Weise nicht schon zu einem maßlos überfrühten Zeitpunkt bei, dass sie sich für ihren Körper schämen müssen, dass sie ihn verstecken und vor dem Blicken fremder Menschen „schützen“ müssen?
Während kleine Jungen hemmungslos „oben ohne“ (ein Begriff der eigentlich nur für Frauen verwendet wird) spielen dürfen, werden die Oberkörper von Mädchen bereits im Kindergartenalter fetischisiert.

Rechtlich gesehen gilt das präsentieren der nackten weiblichen Brust in deutscher Öffentlichkeit als Grenzfall –  „oben ohne“ kann, wohlgemerkt nur bei Frauen, eine Ordnungswidrigkeit darstellen, sofern sich jemand davon belästigt fühlt. In meiner Heimatstadt ist es sogar schon einmal vorgekommen, dass eine junge Mutter wegen des Stillens ihres Babys aus einem Restaurant verwiesen worden ist. Hätte sie mit ihren Brüsten nicht in privater Angelegenheit ihr Kind gefüttert, sondern sie (wie übrigens in den Werbeanzeigen eben dieses Restaurants üblich) gegen Geld öffentlich zur Schau gestellt, hätte wohl kein Hahn danach gekräht. (Die amerikanische Restaurantkette wirbt mit knapp bekleideten Pin Ups – sie tragen kurze Röckchen und aufgeknöpfte Blusen. Bluse auf für Pommes-Werbung? Ja, klar! Bluse auf zum Baby stillen? Platzverweis!)

Langsam beginne ich zu verstehen, weshalb Feministinnen in den 70er Jahren ihre BHs verbrannten und FEMEN sich mit ihren nackten Brüsten von patriarchalen Konventionen befreien wollen. Auch wenn ich mich nicht pauschal mit diesen Strömungen identifiziere, so ist das Aufbegehren gegen den BH-Zwang in meinen Augen dennoch ein sinnvolles rebellieren einer völlig archaischen Norm.
Unsere Gesellschaft ist darauf konditioniert, weibliche Brüste als Ware zu betrachten, die von außen reguliert werden muss, während Männer, und mögen ihre Brüste auch noch so viel größer als jedes A- oder B-Körbchen sein, von diesem Zwang unberührt bleiben.

Auf Facebook müssen harmlose Oben-Ohne-Urlaubsfotos retuschiert werden, während anderes, eindeutig pornografisches, wenn auch bekleideteres, Bildmaterial, teilweise völlig unbehelligt online bleiben darf. Auf Instagram wurden bereits eine Reihe Accounts von prominenten „Brustträgerinnen“ gelöscht, woraufhin sich eine Gegenbewegung zur Prüderie mit dem Namen „Free The Nipples“ formiert hat. Topmodel Cara Delevingne, Rihanna und Miley Cyrus, um nur einige populäre Unterstützerinnen der Aktion zu nennen, wehren sich gegen die unfairen Nutzungsbedingungen und den Zustand, dass in einigen US-Bundesstaaten das Zeigen weiblicher Brustwarzen verboten ist.

Bild 83

Ein Post im Rahmen der „Free The Nipples“-Aktion verdeutlicht, wie albern und überflüssig Nippel-Zensur sein kann.

Aber kommen wir zur Pointe meiner verdrießlichen Ansprache. Ich fordere keineswegs die solidarische Verhüllung der männlichen, sondern, schlicht und ergreifend, die Salonfähigkeit der weiblichen Brust.

Ich habe keine Lust mehr, mein T-Shirt anzubehalten, wenn es auf Open Airs immer heisser wird, ich sehe nicht ein, warum ich einen BH tragen soll, wenn ich das gerade nicht möchte und ja, warum sehen viele Männer es eigentlich als Selbstverständlichkeit an, in Kaufhäusern mitten auf dem Gang Kleidung anzuprobieren, während Frauen sich ganz „sittsam“ bei den Umkleiden anstellen? (Glaubt mir, nach vier Jahren Einzelhandel weiß ich, wovon ich spreche!)

Wenn ich der Meinung bin, keinen BH zu tragen, dann ist das meine ganz persönliche Entscheidung und wenn sich dadurch ein wildfremder Mann in meinem Umfeld „aufgereizt“ fühlen sollte, dann möchte ich das ebenso wenig kommentiert wissen, wie dessen letzten Stuhlgang oder Masturbationsintermezzo.

Das geht mich nämlich genauso wenig etwas an, wie ihn meine Brüste!

 

10 Kommentare

  1. Die weibliche Brust entstand durch den aufrechten Gang. Die Evolution hat diese als Aushängeschild weiblicher Sexualität hervorgebracht.
    Trage einen BH, trage ihn nicht, geh oben ohne in den Park, wegen mir auf eine Baustelle, alles kein Problem. Aber dass viele Männer das dann sexuell attraktiv finden, damit wirst du leben müssen.
    Die weibliche Brust wird in der Werbung, in den Medien, auf der Seite 3 verwendet, WEIL wir Männer diese attraktiv finden. Das „ist das nicht zu aufreizend“ war sicher nicht gemeint als „so kannst du doch nicht arbeiten gehen, ihhh bäh“ sonder ein „wow, siehst du gut aus“.
    Aber ja, warum auf sexuelle Attraktivität, Begierde und Ähnlichen aufbauen, wenn man das einfach auch durch gesellschaftlichen Normen und Unterdrückung der Frau erklären kann.
    Mädels, ich spreche für eine große Mehrheit des Patriachats wenn ich sage: Die oben ohne Zeit am Strand früher war super. FREE YOUR BOOBS!

    • “ Aber dass viele Männer das dann sexuell attraktiv finden, damit wirst du leben müssen.“

      >> Missverständnis.

      Es ist ok, andere Menschen sexuell attraktiv zu finden. Ich finde auch andere Menschen attraktiv. Jeder Mensch tut das. Und das ist gut so. Brüste sind außerdem super! (btw stehen nicht nur Männer auf Brüste – hast du dafür eigentlich auch eine evolutionsbiologische Erklärung? 😉 )

      Die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Jemanden sexuell attraktiv zu finden, gibt mir nicht das Recht, Grenzen dieser Person zu überschreiten.

      „Das “ist das nicht zu aufreizend” war sicher nicht gemeint als “so kannst du doch nicht arbeiten gehen, ihhh bäh” sonder ein “wow, siehst du gut aus”.“

      >> Natürlich war das „ja nur nett gemeint“. Es ist aber kein harmloses Kompliment, wie z.B. „Schöne Haarfarbe!“.
      Es handelt sich hier um eine Äußerung, die sich auf SEXUELLE Reize bezieht. Und ich war nicht in einem Club, sondern am Arbeitsplatz, in einer Umgebung und Situation, in der ich einfach nur als Mensch ernst genommen werden möchte. Als „Mädchen“ (also das, was unsere Gesellschaft als „Mädchen“ definiert) wird einem auf der einen Seite anerzogen, dass man nicht „schlampig“ sein soll, seine sexuellen Reize vor allem in Schule und Arbeitsplatz nicht zu offensichtlich zeigen soll – aber auf der anderen Seite soll man sich doch bitte drüber freuen, wenn einem im Prinzip durch die Blume von einem wildfremden Typen gesagt wird, dass sich bei ihm da unten was regt, sobald er einem (wie anscheinend gerade geschehen) auf die Brüste starrt.
      Wenn man einfach so mit den persönlichen sexuellen Empfindungen wildfremder Menschen konfrontiert wird, dann fühlt man sich schnell verunsichert und eklig. Vor allem, wenn es überhaupt nicht in deiner Intention lag, irgendwen sexuell zu reizen. Es ist einfach zutiefst unangenehm, wenn ein Körperteil ständig auf so sexualisierte Art ins Zentrum des Geschehenes gerückt wird.

      Es mag ja sein, dass keine böse Intention hinter der Aussage stand – sie war jedoch schlicht und ergreifend unangebracht. Und man mag dann auch nicht mehr darüber hinwegsehen, wenn solche Äusserungen eben nicht isoliert und vereinzelt auftreten, sondern du den lieben langen Tag mit den Blicken und Kommentaren fremder Menschen konfrontiert wirst, weil du dir einmal „die falsche Kleidung“ gegriffen hast.

      Es geht in diesem Beitrag übrigens weder um Evolution, noch um Unterdrückung, sondern um einen Zustand, der nunmal ist wie er ist – ganz egal warum. Und der viele Frauen einschränkt/stört/belastet.

      Ich kann verstehen, dass das schwer nachzuvollziehen ist, wenn man das selber noch nicht erlebt hat. Daher empfehle ich: anstatt blind dagegen zu argumentiere, einfach mal zuhören! 😉

      • „Daher empfehle ich: anstatt blind dagegen zu argumentiere, einfach mal zuhören!“

        this!
        Es ist immer verdammt leicht, auf die „was willst du denn, Männer sind eben so, und außerdem war es *ganz bestimmt* nur nett gemeint!!“-Schiene zu gehen.
        Was gern und immer wieder ignoriert ist wird, ist die schlichte Unverschämtheit dieser Grenzüberschreitung. Wie Menschen auf die Idee kommen, in die Intimsphäre eines anderen wildfremden Menschen einzugreifen, indem sie mal eben unterstellen, man hätte bei der mogendlichen Kleiderwahl für die Arbeit nur den Gedanken, sich „aufreizend“ zu kleiden (um dann zu einem stinknormalen T-Shirt zu greifen? lol)
        Wenn man es drauf ankommen lassen will, kann man natürlich auf ähnlicher Ebene kontern und den verbal übergriffigen Menschen mit seinen eigenen Schwächen und Defiziten konfrontieren („ist das nicht ein zu enges Shirt für soviel Fett?“). Aber so schlagfertig muß man in so einem Moment erstmal sein, wenn man mal eben als kleines aufreizendes Lolita-Luder, das zu blöd ist, sich fürs Büro angemessen zu kleiden, hingestellt wird.

  2. Agnes Freytag

    Also ich trage nie BHs. Meine Anatomie benötigt diese Tüten einfach nicht 😉
    Früher hab ich mich auch manchmal über das Geglotze aufgeregt – heute nehm ich es meistens gar nicht mehr wahr. Wenn da jemand unterv***elt ist, ist das ja schließlich sein Problem, nicht meins.

  3. Mein Dilemma, aufgeschrieben in deinen Worten. Ohne BH fühlt sich komischer an als mit Mörderausschnitt und Stöckelschuhen, das finde ich auch.
    Das ist sehr bezeichnend für eine Gesellschaft, die sich eigentlich sexuell aufgeschlossen und aufgeklärt gibt und dann doch wieder nur lüstern-pikiert schaut, wenn Damen sich am Strand iher Oberteile entledigen. Oder Stillen. Oder keinen BH tragen.

  4. Teardown

    1.Nackte Brüste sind in Tageszeitungen, Videoclips und Anzeigen vollkommen normal?! Du lebst doch auch in Deutschland, wo sind diese nackten Brüste?!

    2. Die Sexualisierung von kleinen Mädchen ist sicherlich nicht besonders schön, ich finde das auch nicht gut, wenn vorpubertäre Mädchen Bikinis tragen. Kalter Ekel überkommt mich bei diesem Anblick. Aber vielleicht hängt diese Sexualisierung der Kinder ja auch von der Sexualisierung der Erwachsenenwelt zusammen.

    3. Es ist 32 Grad. Luftundurchlässige Lederschuhe umschließen meine in dicke und hochgekrämpelte Wollsocken eingerahmten Füße. Ich muss eine dicke Baumwollhose tragen. Ein langärmliges Hemd unter einem engen und nach Ettikette geschlossenen Sakko, indem ich meine Arme nur etwa 70 Grad strecken kann isoliert mich von jedem Luftzug meiner Umwelt. Eine Krawatte schnürrt zusätzlich zu dem geschlossenen obersten Hemdknopf meinen Hals ein. Ich schwitze, im nichtklimatisierten Bus manchmal auch wie ein Schwein. Warum nicht mal oberkörperfrei ins Büro oder nackt zum Kunden? Ja warum nicht? Upps…gerade im Business wie auch generell sind Männer deutlich regideren Kleidungsvorschriften unterworfen als Frauen.

    4. Eine Frau ist oft gut gekleidet (oder in Lingerie) deutlich sexier als nackt. Lass dir das mal von einem Mann gesagt sein…wahrscheinlich würden daher in einer Gesellschaft in der Nacktheit normal wäre, Feministinnen angezogen gegen ihre Unsichtbarkeit demonstrieren. Analog zu den alten Feministinnen, die beklagen das ab 40 diese von dir als störend empfundenen Reaktionen der Männer komplett ausbleiben. Huch, auch Frauen definieren einen Großteil ihres Selbstwertgefühls über die Reaktion beim anderen Geschlecht auf sie, genauso wie Männer übrigens…

    • Zu 1.

      Nackte Brüste waren beispielsweise auf der ersten Seite der größten deutschen Tageszeitung JEDEN Tag zu sehen (ich weiß nicht, ob das immer noch so ist – ist schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal ne BILD in der Hand hatte).

      Zwar (noch) bekleidete, aber stark sexualisiert dargestellte Brüste finden wir in unserer Gesellschaft tatsächlich an jeder Ecke. Ich würde hier nun gerne einige Beispielbilder von Kinowerbung, Bierwerbung, Autoverleihwerbung… einfügen (was in der Kommentarfunktion leider nicht möglich ist). In diesen Beispielen werden Brüste stark aufgepuscht, halbnackt, mit durchscheinenden Nippeln etc. abgebildet, um die besagten Produkte zu verkaufen.

      Die sexualisierte Darstellung von Brüsten zum Verkauf von Produkten ist also Standard, meine überhaupt nicht sexualisiert zurecht gemachten Brüste an meinem Körper (einfach nur weil sie DA sind -> denn sie sind angewachsen, ich suche es mir morgens nicht aus, ob ich mit oder ohne Brüsten das Haus verlasse) offenbar nicht.

      Nun könnte ich eine Gegenfrage stellen. Du lebst doch auch in Deutschland – wie kann es sein, dass dir die Flut sexualisierter Darstellungen der weiblichen Brust in Medien und Werbung überhaupt nicht mehr auffällt? Schon so abgestumpft?

      Zu 3.

      Erstmal: dass du im Hochsommer zu WOLLsocken greifst, ist wohl deinem eigenen Masochismus zuzuschreiben! 😉

      Abgesehen davon hinkt dein Beispiel gewaltig. Es mag sein, dass Businesskleidung einengend und unbequem ist. Das gilt aber für Männer wie für Frauen gleichermaßen. Ein Damenblazer schenkt nicht mehr Bewegungsfreiheit als ein Herrensakko.

      Es ist ja schön, dass du uns alle daran teilhaben lässt, dass du in einem nicht klimatisierten Bus schwitzt wie ein Schwein. Das ist aber keine Information, die uns in dieser Diskussion weiterbringt, da es so wohl jedem Menschen gehen wird, der Business-Kleidung tragen muss. Wenns dich also so stört, dann schreib doch vielleicht einen Blog über die Diskriminierung von Anzugträgern?

      Oberkörperfrei zum Kunden kannst du übrigens genauso wenig gehen, wie deine Kollegin (eine Anmerkung die so gesehen übrigens genauso Offtopic ist, wie dein sommerliches Transpirationsverhalten). Sprich: in einer Berufsgruppe werden meist ähnliche Anforderungen an Mann und Frau gestellt was die Art der Bekleidung betrifft (wobei der BH für Frauen ungeachtet dessen vorausgesetzt wird). Privat hast du da aber als Mann deutlich mehr Freiheiten, mit deinem Körper machen zu können was du willst, ohne gleich auf das übergriffige Verhalten deiner Mitmenschen zu stossen. (Zumindest, solang du dich „männlich“ genug kleidest!)

      Zu 4.
      „Lass dir das mal von einem Mann gesagt sein…“
      Würg! Danke, das brauche mir von DIR nicht sagen zu lassen, denn ich habe selber Augen im Kopf! Sorry, der Satz ist einfach ziemlich klebrig.
      Zu dem Rest spar ich mir jetzt einfach mal den Kommentar, ist mir ein bisschen zu wüst fantasiert, um da ernsthaft drüber diskutieren zu wollen 😉

  5. Margret

    Ich mag BHs nicht sehr (zwicken einfach total widerlich und stören deshalb den ganzen Tag) und Still-BHs sind geradezu megaätzend. Die Brust ist in der Stillzeit mal groß und mal klein, deshalb ist der blöde BH fast immer entweder zu eng oder zu weit, die Teile zwicken andauernd und ich bekomme damit fast täglich einen Milchstaujjj. Allerdings bekomme ich doofe Kommentare dazu fast nur von Frauen. Schon meine erste Hebamme damals wollte mir einreden, dass „das einfach nicht geht, ohne Still-BH“. Warum, konnte sie mir nicht so wirklich erklären. Im Hotel morgens beim Frühstück hat sich eine Frau am Nebentisch mal furchtbar über mich aufgeregt. allerdings nicht direkt mir gegenüber, sondern extralaut gegenüber ihrem sichtlich peinlich berührtem Ehemann. Gipfelte in der aussage „man“ solle sich doch wenigstens zwei Pflaster über die Brustwarzen kleben, wenn man schon unbedingt „so“ rumlaufen müsse. Im Bus eine ähnliche Szene mit einer anderen Mama, woraufhin mir meine ebenfalls anwesende Tante eine Standpauke hielt, warum ich bitte so sexuell aufreizend rumlaufen müsse und dass ich dann ja wohl selber schuld wäre, wenn mich jemand angrapscht (das im XXL-Stillshirt mit Unterhemd drunter).

    @ Teardown gebe ich aber insofern recht, als ich die männliche „Pflicht“ zum Hosentragen auch ziemlich einengend finde. Müsste beides weg.

  6. Margret

    Muhaha, ich muss grad über den Schluss von meinem eigenen Kommentar ein bisschen Schmunzeln. Die Pflicht zum Hosentragen in der Öffentlichkeit sollte natürlich nun nicht so ganz „weg“. Aber Männer sollten sich auch für den Rock entscheiden können, wenn ihnen danach ist. Ist im Sommer ja wirklich angenehmer. Mir haben schon als Kind meine männlichen Freund eimmer leidgetan, weil die auch im Hochsommer immer Hosen tragen mussten. Gerade bei Festen und im Büro den ganzen Tag diese langen, warmen Anzugshosen, das stell ich mir im Hochsommer sehr unangenehm vor.

  7. Anonym

    Hallo

    Ich kenne dieses Problem nur zu gut: habe wirklich große Naturbrüste (E) und werde gerade im Sommer im T-Shirt alle paar Meter von irgendwelchen „supercoolen“ Männern angesprochen oder niedergestarrt.
    Von den Sprüchen möchte ich erst gar nicht anfangen aber alleine die Blicke sind unangenehm und nervig.
    Bin ich nur eine Ware? Bin ich verpflichtet nur weil ich mehr habe mir dass gefallen zu lassen? Wenn ich bei extrem nervigen Exemplaren sage „Hosen runter, ich will auch mal starren!“ Bekomm ich nur blöde Antworten, was ich mir nicht einbilde. Aber ich solls kommentar los über mich ergehen lassen? Ich trage allerdings immer einen BH da sie sonst einfach hängen und nur noch mehr wackeln.

    Ich finde es auch eine Frechheit, dass der nackte Frauenkörper in der Werbung so sexualisiert wird.
    Brüste sind natürlich gehören zu einer Frau und sind keine Sex-Ware im Leben! Egal obs beim Einkaufen oder sonst wo ist. Mindestens 3 Männer starren oder sagen irgendwas. Und ich fasse „geile Glocken“ keinesfalls als Kompliment auf!
    Ich hoffe es ändert sich etwas in der Wahrnehmung der Männer.

    MfG
    Eine Frau

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