Miezes Monatsrückblick #5

Heute wagen wir mal einen zaghaften Blick über den Tellerrand und müssen mit Bedauern feststellen: China und die Türkei übertreffen sich mal wieder gegenseitig mit kritischen Meldungen. Zum Trost gibt es gleich hinterher eine interessante Interview-Empfehlung und ein paar lesenswerte Beiträge, die dir u.A. erläutern, was ausgerechnet die 90er-Teenie-Animeserie Sailor Moon für die dritte Welle des Feminismus getan hat.

 

Laughstorm: Kann Lachen Sünde sein?

Achtung: Diese Meldung ist nichts für schwache Nerven. Mit den Worten:

“Wo sind unsere Mädchen, die leicht erröten, ihren Kopf senken und die Augen abwenden, wenn wir in ihre Gesichter schauen, und somit zu einem Symbol der Keuschheit werden?”,

liess sich der türkische Vizeregierungschef Bülent Arinc diese Woche zitieren. Die Forderung, Frauen sollen sich beschämt abwenden, sozusagen in der Öffentlichkeit klein und unsichtbar machen,  stellt ein trauriges Paradebeispiel patriarchaler Denkstrutkuren dar – allein schon die Verwendung des „Keuschheits“-Begriff unterstreicht dabei die als selbstverständlich vermittelte Bestrebung, weibliche Sexualität  kontrollieren und regulieren zu wollen. Die Formulierung „wenn wir in ihre Gesichter blicken“ legt zudem seine androzentrische Weltsicht offen, da er anscheinend glaubt, nur mit Männern zu sprechen.

Erfreulicherweise erhielt Arinc prompt wütende Reaktionen auf seine unmögliche Aussage: zahlreiche türkische Frauen solidarisierten sich auf Netzwerken wie Twitter oder Facebook, um Arinc ihr schönstes Lächeln zu schenken.

Hier geht’s zum Artikel auf meedia. Die Hashtags zum Thema lauten: #kahkaha , #direnkahkaha & #direnkadin

 

Frisch gestrichen und überdimensioniert: Chinas neue „Frauenparkplätze“

Die neuen „Frauenparkplätze“ vor einem Einkaufszentrum in Nordchina sorgen für Diskussionen: Sie sind nicht nur pink markiert, sondern auch 30 Zentimeter breiter als die herkömmlichen Parkspalten. In einem Land, in dem Frauen als schlechte Autofahrerinnen gelten, erscheinen die Dementi der Managerin des Zentrums, es handle sich hierbei keinesfalls um eine frauenfeindliche Aktion, wenig glaubwürdig. Die Verbeiterung der Parkplätze hätte rein „praktische Gründe“. Fragt sich, warum dieser Vorteil dann nicht allen Kundinnen und Kunden zuteil werden sollte.

Mehr zum Thema beim Stern.

 

Feminismus für Anfängerinnen auf Endemittezwanzig

Nach diesen beiden Ärgernissen, möchte ich euch ein Interview mit Julia Korbig auf dem Blog Endemittezwanzig ans Herz legen. Julia Korbig hat kürzlich ihr Erstlingswerk „Stand Up – Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene“ veröffentlicht. Ich habe mir das Buch neulich mal angeschaut und kann es insbesondere denjenigen ans Herz legen, die sich in die Thematik ein wenig einlesen möchten. Es schneidet viele unterschiedliche Felder an, von Basic-Begriffserklärungen, über Personenportraits bis zu sehr gelungen illustrativ dargestellten Statistiken, ist das Buch gespickt mit einer ganze Menge interessanter Informationen. Außerdem muss ich an dieser Stelle ein großes Lob für das Layout aussprechen!

Im Interview erklärt Julia Korbig u.A. in welchen Bereichen sich hierzulande aus feministischer Sicht noch einiges tun muss und warum Feministinnen auch pinke High Heels tragen dürfen.

Hier geht’s zum Interview.

 

Sailor Moon-Feminismus

Sailor Moon hat meine Generation begleitet. Was an dem Anime im Nachmittagsprogramm jedoch besonders feministisch war, ist mir zu Grundschulzeiten wohl entgangen. Wem es ähnlich geht, kann sich nun von der SPEX auf die Sprünge helfen lassen – die preisen Sailor Moon sogar als Geburtshelferinnen der dritten Welle des Feminismus.

Neben Erläuterungen zum Frauenbild, das in der Serie gezeichnet wurde, stellt die Autorin Natalie Meinert zudem klar, dass beispielsweise ursprünglich lesbische Paare in der deutschen Übersetzung, ganz gemäß der heteronormativ geprägten Erwartungen des Publikums, zu „harmlosen“ Cousinen ummodifiziert worden sind.

Zum Artikel der SPEX kommt ihr hier.

 

Weitere Links

Barbara Beuys hat in ihrem Buch „Die neuen Frauen – Revolution im Kaiserreich 1900–1914“ die Frauen der ersten Feminismus-Welle porträtiert . Die taz liefert einen kurzen Überblick über die Inhalte.

Auf kleinerdrei erklärt Gastautorin Constanze, warum es in ihren Augen notwendig war, eine Partyreihe ins Leben zu rufen, bei der ausschliesslich weibliche DJs auflegen.

 

 

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