Re: Free Your Boobs!

Auf den Beitrag „Free Your Boobs!“ habe ich einige Rückmeldungen erhalten – für euch habe ich heute die interessantesten zusammengefasst.


Ein Leser hat folgende Frage gestellt:

„Nackte Brüste sind in Tageszeitungen, Videoclips und Anzeigen vollkommen normal?! Du lebst doch auch in Deutschland, wo sind diese nackten Brüste?!“

Da der Bedarf offensichtlich groß war, habe ich mir mal die Mühe gemacht, ein paar schöne Beispiele für Werbung herauszusuchen, bei der Brüste (knapp bekleidet, hochgebunden, entblösst) im Mittelpunkt stehen. Ich habe mich dabei auf deutschsprachige Werbung beschränkt, da sich der Kommentator selbst auf Deutschland bezogen hat – aber die Auswahl war auch groß genug. Nach einiger Zeit ist mir regelrecht langweilig geworden, denn es war immer dasselbe…

Produkt: Brillen? Motiv: Brüste! Produkt: Bier? Motiv: Brüste! Produkt: Elektronik? Motiv: Brüste! Produkt: Radiosender? Motiv: Brüste, Brüste, Brüste!

Ich habe mich dazu entschieden, Werbung für Erotikartikel, Dessous, Bademoden oder Ähnlichem außen vor zu lassen, um die Absurdität der Tatsache, was alles so mit Brüsten beworben wird, noch mehr hervorzuheben. Ihr könnt also davon ausgehen, dass keine der unten abgebildeten Werbungen auch nur im entferntesten etwas anpreisen, das irgendwie nachvollziehbar mit der weiblichen Brust im Zusammenhang stehen könnte.

Brüste

„Manche mögens heiß!“ | „Lass das Biest raus!“ | „Darf’s a bisschen mehr sein?“ | „Für mehr Offenheit.“  | „Sie lieben Ballsport?“  | „Mehr muss man nicht anhaben!“  | „Geil auf Pizza?“ | „Endlich kann ich, so oft ich will!“  | „Unsere Preise sind so knapp, wie dieser Bikini!“  | „Die Neue. Kommt schneller als die Alte, ist besser gebaut und macht, was man ihr sagt!“

Werbung, in denen Produkte mit sexualisiert dargestellten Brüsten beworben werden, sind keine Ausnahmeerscheinungen! Große und kleine Unternehmen setzen auf diesen „Trigger“, der positive Assoziationen zum Produkt und mit Sicherheit auch in erster Linie Aufmerksamkeit erregen soll.

Hier die Art der beworbenen Produkte und Firmen: Astra (Bier), Puntingamer (Bier), Reven (Luftreiniger), Karstadt (Kaufhaus), Löwenbräu (Bier), Schwäbische Stadthallenwerbung, Faschingsfeier, Media Markt (Elektronikhandel), Radio Lora, Hirter (Bier), Optiker, Radio Arabella, Viva Con Aqua (Spendenorganisation), Lieferservice, Redcoon (Onlinehändler), Wellnessangebot, Nordsee (Restaurantkette), Gitsche (Holzhandelsfirma), Bet at home (Sportwetten), Boch (Sanitär), Netkellner (Lieferservice), Tom Ford (Herrenparfum), Sony (Elektronik), Cinemaxx (Kino), Antenne Koblenz (Radio), L’Tur (Reiseveranstalter), Neue Nordhäuser Zeitung, PR CAR (Autoservice), Dachdeckerei Schröder, American Apparel (Modemarke), Witz (Recyclingfirma), RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten), Pantene Pro-V (Haarpflege), Partyflyer, Platzer (Transportfirma), XLink (Telekommunikationsfirma), Shark (Energiedrink), Schider-Schilder (Werbung), Ryanair (Fluggesellschaft)

Manche Anzeigen habe ich auf folgenden empfehlenswerten Seiten gefunden: Watchgroup Salzburg#ichkaufdasnicht

Und zum Thema Tageszeitungen – hier nur ein aktuelles Beispiel für eine Tageszeitung, die direkt auf der Startseite (unübersehbar neben ihrem Logo) eine sexualisiert dargestellte Frau präsentiert:

Bild 7

Nun könnte man die Gegenfrage stellen: der Kommentator lebt doch auch in Deutschland – wie kann es sein, dass ihm die Flut sexualisierter Darstellungen der weiblichen Brust in Medien und Werbung überhaupt nicht mehr auffällt? Schon so abgestumpft?


Dann hat mir die liebe Nina für ihren Blog „Busenfreundinnen“ ein paar Fragen zum Artikel und generell zu meinen Ansichten gestellt – in Kürze wird ein komplettes Gespräch zum Thema auf ihrem Blog zu finden sein. Hier ein kleiner Vorgeschmack.

Bist du stolz eine MUSCHI alias Frau zu sein? Was bedeutet für dich Frau sein?
Ich bin so wenig stolz auf mein Geschlecht wie auf meine Nationalität. Ich finde nicht, dass das Dinge sind, auf die man stolz sein kann.
Frau-sein bedeutet für mich nichts anderes als Mensch-sein. Mein Geschlecht ist nicht der Indikator, der mich von 50% der „anderen“ Menschen grundlegend unterscheidet und mich mit dem Rest pauschal verbindet. Ich habe Prinzipien, Werte und Moralvorstellungen als Mensch – nicht primär als Frau.

Findest du Brüste schön? Egal, ob groß oder klein?
Klar, was wäre eine Welt ohne Brüste?!

Kannst du das heterosexuelle, männliche Wesen verstehen, wenn sie an dem weiblichen Busen hängen bleiben?
Ich muss nicht versuchen, mich dafür in den  „ominösen Heteromann“ hineinzuversetzen – ich schau selber gerne auf schöne Brüste und ich kenne keine Frau in meinem Umfeld, der es nicht auch so geht. Brüste sind keine Erfindung für den Heteromann und es ist ein Mythos, dass nur Männer „am weiblichen Busen hängen bleiben“.  Also kurz: klar, kann ich das verstehen. Ich finde aber nicht, dass es sich dabei um ein ontologisch männliches Phänomen handelt.

Mir wurde ja oft gesagt, dass ein Hetero-Mann nicht anders kann. Aufgrund ihres Testosterons sind sie den weiblichen Rundungen komplett verfallen. Hirn und Herz rutschen in die Hose und denken nur noch daran, wie sie an die Rundungen ran kommen. Sie meinen das nicht böse, nein, ganz und gar nicht, sie können nicht anders, da sie ihrem Instinkt und Trieb, welcher ja schon immer da war und immer da sein wird, weil es ja auch um die Fortpflanzung geht und der Mensch auch „nur“ ein Säugetier ist, verfallen sind. Glaubst du das den Herren?
Also erstmal kenne ich keinen Mann, der sich selber so beschreiben würde. Warum? Weil es im Grunde total männerfeindlich ist, anzunehmen, ein Mann wäre nichts als ein auf seine Triebe reduziertes, schwanzwedelndes Wesen, der beim Anblick eines blanken Busens (was in unserer Gesellschaft nun auch nicht gerade selten ist), die Kontrolle über seinen Verstand verliert. Ich glaube, dass unangemessenes Verhalten sehr häufig einfach aus unbedacht reproduzierten gesellschaftlichen Strukturen und Gewohnheiten entsteht.

Beispiel: Es gibt Männer, die Frauen auf Partys einfach anfassen, weil sie denken, dass das normal oder „schon okay“ wäre, sich dabei einfach keine Gedanken über die Empfindungen ihres Gegenüber machen. Viele Männer würden so etwas aber niemals tun, weil sie genau wissen, wie unangebracht das wäre. Daraus lässt sich ableiten, dass nicht das biologische Geschlecht, sondern deine Sozialisation und Persönlichkeitsentwicklung, dich ungefiltert triebgesteuert handeln lässt.
Aussagen wie „Männer sind halt so“ oder „Männer können einfach nicht anders“ sind durch und durch sexistisch.

Siehst du dich mit deiner Aktion auch als Demonstrantin? – die für Gleichberechtigung demonstriert?
Ich finde nicht, dass man es als Aktion bezeichnen kann, wenn man sich morgens für oder gegen einen BH entscheidet. Ich will auch gar nicht, dass so einer banalen Sache so viel Bedeutung beigemessen wird – eigentlich ist sogar genau das der Punkt, den ich kritisiere. Ich will, dass das selbstverständlich ist und andere Menschen mich deshalb nicht anders behandeln.

Da kommt mir dir Frage, werden wir je gleichberechtigt sein, wenn uns das Testosteron fehlt?
„Uns“ fehlt das Testosteron nicht, es ist sogar maßgeblich für „unsere“ Lust mitverantwortlich. Ein körperliches Attribut sollte außerdem nichts mit Gleichberechtigung zu tun haben, warum auch? Sonst könnte man sich auch die Frage stellen, ob schwarze und weiße Menschen gleichberechtigt sein können, obwohl ihre Haut unterschiedlich pigmentiert ist.

Wir Frauen, wissen ja nicht, was aufgrund des nicht gleichen Hormonaushaltes, in den Herren vorgeht, genauso wenig, wie die in uns. Wird es dann je Gleichberechtigung geben auf diesem Gebiet?
Dieser Aussage würde ich ganz vehement widersprechen. Ja, Männer und Frauen haben einen unterschiedlichen Hormonhaushalt, aber das ist ganz sicher nicht die Grundlage dafür, dass alle Männer gleich funktionieren, alle Frauen anders und sie sich aufgrund dieser Tatsache nie ganz verstehen werden. Das stimmt einfach nicht. Ich führe zu einigen Männern ein sehr inniges Verhältnis und sie stehen mir intellektuell und emotional um ein Vielfaches näher, als die meisten Frauen, denen ich in meinem Leben begegnet bin. Ich unterscheide mich in meinem Wesen von vielen Frauen mehr, als von manchen Männern. Und natürlich gibt es auch einige Frauen, die mir sehr Nahe stehen – aber das liegt nicht daran, dass sie weiblich sind. So was lässt sich einfach nicht am Geschlecht ausmachen.
Ich glaube, dass diese Art von Geschlechterdualismus, die uns glauben lassen will, dass Frau und Mann eben so unüberwindbar verschieden seien, der Motor für Asymmetrien in unserer Gesellschaft sind und diese Vorstellung eines binären Geschlechtermodells daher (zumindest in dieser allgegenwärtigen und exzessiv-präsenten Form, wie wir es zur Zeit gewohnt sind) überwunden werden muss, um eine allumfassende Gleichberechtigung zu schaffen.


Zum Abschluss noch zwei interessante und bereichernde Kommentare, weiblicher Leserinnen via Facebook – nochmal ein anderer Blickwinkel! Um ihre Privatsphäre zu wahren, habe ich Namen und Profilbild unkenntlich gemacht. Ich bedanke mich herzlich für diese beiden Beiträge!

 

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