Miezes Monatsrückblick #6

Über vermeintlichen Nagellack gegen K.O.-Tropfen, Sexismus in der House- und Technoszene, eine neue Studie zu den Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen und „Vorbehalte“ gegenüber den neuen Facebook-Geschlechtereinstellungen.

 

Nagellack gegen K.O.-Tropfen

Ich muss gestehen, als die taz. titelte: „Ein neuer Nagellack soll Frauen vor K.O.-Tropfen schützen.“, habe ich mich zunächst darüber geärgert, dass an dieser Stelle nur Frauen benannt worden waren. Im Artikel wurden zwar später auch männliche Opfer erwähnt, aber ich fand die Einleitung, die suggiert, dass K.O.-Tropfen-Delikte ein Phänomen sei, das ausschliesslich Frauen beträfe, dennoch nicht ganz glücklich. Es liegen nach wie vor keine offiziellen Statistiken über Täter und Opfer vor und zumindest hier in Berlin hört man öfter auch von Männern, die mit der Droge, die sich in der Schwulenpartyszene generell großer Beliebtheit erfreut, außer Gefecht gesetzt und vergewaltigt worden sind. Es kann zwar grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass es sich bei den Tätern in den allermeisten Fällen tatsächlich um Männer handelt, die Annahme jedoch, dass die Opfer immer Frauen seien, ist ein Trugschluss und im Endeffekt nur ein Ergebnis heteronormativer Denkmuster.

Die taz. bemängelt, dass die Verantwortung durch solche Erfindungen, weiterhin bei den potentiellen Opfern abgeladen werde. Das kann ich zu einem gewissen Teil so unterstützen: eine ähnliche Debatte gab es bereits, als das Heimwegtelefon ins Leben gerufen worden ist (zur Erinnerung, was denn da eigentlich nochmal das Problem war, hier ein, wenn auch etwas radikaler, Beitrag auf identitätskritik). Vorsicht ist die eine Sache, die Annahme jedoch, bei jedem das-Haus-verlassen vergewaltigt und bei jedem Partybesuch unter Drogen gesetzt zu werden, ist nicht unbedingt zielführend. Es besteht zwar eine gewisse Gefahr, diese sollte meiner Meinung nach jedoch nicht in Alltagssituationen durch solch aufwendige Vorsichtsmaßnahmen überbetont werden, sodass sich potentiell Betroffene im Prinzip nicht mehr frei und unbekümmert bewegen können. Heimwegtelefon, Antivergewaltigungskondom, K.O.-Tropfen-Nagellack… was soll frau sich denn noch alles so anstellen, einsetzen und auftragen, bevor sie das Heim (das bekanntermaßen ja eigentlich Hauptschauplatz für Übergriffe darstellt) verlässt? Was ist wohl besser, den leider nicht nur bildlich gemeinten Keuschheitsgürtel umzulegen oder gesamtgesellschaftliche Strukturen zu kritisieren und zur Veränderung anzuregen?

Später meldete SPON, dass die Meldung wohl ein Hoax war, da es sich dabei eher um eine Idee als ein ausgereiftes Konzept handelt. Da neben GHB, Ketamin und Benzodiazepinen auch eine Vielzahl anderer Stoffe für diesen Zweck verwendet werden können, reicht ein einfacher Schnelltest, der nur bestimmte Stoffe abdeckt, oft nicht aus.

Frauen machen Techno

Auf BLN.FM bin ich neulich über einen Beitrag gestolpert, der u.A. über das androgyne Auftreten einer der meiner Meinung nach besten House-DJs: Tama Sumo. Besonders erschreckend fand ich den Verweis auf die Youtube-Kommentarspalte eines Boiler-Room-Sets. Da geht es, neben ihrer Musik, in erster Linie um eins: um ihr Geschlecht. Und das finde ich einfach schade, warum muss das Geschlecht überhaupt Thema sein, wenn jemand einfach gut auflegt? „Fuck off he is a man, he’s a legend he knows more about house than you ever will“, schreibt ein User zwar anerkennend, muss „sie“ jedoch erst zum „he“ machen, bevor er ihr sein Lob ausspricht.

Tama Sumo Collage

Frauen verdienen laut neuer Studie schlechter, als bisher angenommen

Stefan Bach heißt der Mann, der im Auftrag der DIW (Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ) die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland erneut unter die Lupe genommen hat. Anders als beim Gender Pay Gap berücksichtigte er nicht den Bruttostundenlohn, sondern das Jahreseinkommen.

Hier geht’s zum Artikel im KarriereSpiegel

 

60 Geschlechter auf Facebook: gruselige Reaktionen

Facebook hat vorgestern nun auch bei deutscher Spracheinstellung die erweiterten Geschlechtsoptionen eingeführt.

Ein Blick in die Kommentarspalten großer Zeitungen zu entsprechender Meldung zeigt die traurige Haltung eines scheinbar immer noch recht großen Teils unserer Gesellschaft gegenüber jeglicher Abweichung vom eigenen heteronormativen Ideal.

Kommentix Finalix

 

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