Miezes Monat #7

Der September hat uns einige erwähnenswerte Schlagzeilen geschenkt. Was mich den vergangenen Monat besonders beschäftigt hat, erfahrt ihr hier.

 

Happy Bisexuals Day!

Am 23.09. war der „Celebrate Bisexuality Day“. Er soll unter anderem auf die Stigmatisierung von bisexuellen Menschen aufmerksam machen, denen oft sowohl in hetero- als auch homosexuellen Kreisen mit Vorurteilen begegnet wird.

Auf Queer.de erschien bereits im Jahr 2013 ein sehr gelungener Beitrag zum Thema:

„Weit verbreitete Merkmale von Bifeindlichkeit sind neben der bereits erläuterten Behauptung, dass es keine Bisexualität gibt, verschiedene Erklärungsmuster, warum sich „dennoch“ Menschen als bisexuell bezeichnen: Bisexuelle Menschen werden als „verwirrt“ oder „unentschlossen“ bezeichnet, ihre Bisexualität wird auf eine „Phase“ reduziert.

Es wird also bestritten, dass Bisexualität gleichberechtigt neben Homo- und Heterosexualität steht (andere sexuelle Identitäten werden ebenfalls unsichtbar gemacht) und behauptet, dass Bisexuelle eigentlich homo- oder heterosexuell sind. Bisexuelles Begehren wird in diesen Diskursen auch als Vorstufe der Homosexualität betrachtet. Wenn die Existenz von Bisexualität anerkannt wird, wird sie oft nur als Variante von Homosexualität gesehen, was die Unsichtbarkeit ebenfalls reproduziert.“

Und ganz oben in der Kommentarspalte, bestätigt sich dann traurigerweise auch postwendend, was im Text kritisierend benannt wurde:

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Einige Kommentare, die außerdem zum Nachdenken anregen  können:

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#herforshe oder #emmaformainstream

Emma Watson hat sich im vergangenen Monat mit einer Rede für die Aktion „#herforshe“ zurück in die boulevardesken Schlagzeilen katapultiert. Mit bebender Stimme appellierte sie für Gender Equality und zitierte eigene Lebensereignisse, die sie zur Feministin gemacht hätten. Die überwältigenden inhaltlichen Aha-Momente ließen auf sich warten und es gäbe sicher viele Punkte, an denen man den Vortrag kritisieren oder hinsichtlich mancher Aspekte womöglich auch loben könnte. Erschreckend fand ich in jedem Fall, dass Emma Watsons Rede (die überaus harmlos und überhaupt nicht provokativ formuliert war) einigen Männern Anlass dazu gegeben hat, sie durch Nacktbilder öffentlich bloßstellen zu wollen oder ihr gar den Tod zu wünschen.

“ Ich möchte hiermal darauf hinweisen, dass kurz nach ihrer Rede Hacker damit drohten (You are next), Nacktfotos von ihr zu veröffentlichen. Unabhängig davon, ob man ihre Rede nun gut findet oder nicht, ist die Botschaft klar: Frauen, die den Mund aufmachen und sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen, sollen gefälligst die Fresse halten. Dies scheint eine neue Form des social silencing zu sein.“ (User/in „Lozen“ auf einer Online-Diskussionsplattform)

 

 „Die Reaktion, welche stante pede auf Watsons Rede folgte, ist so absehbar wie auch erbärmlich. Sie wurde bedroht, dass man Nacktbilder von ihr veröffentliche und erfundene Todesmeldungen wurden ins Netz gestellt.“

Hier findet ihr einen sympathisierenden Kommentar zur Rede Emma Watsons auf „Blonder Blog“.

 

“ Fakt ist: privilegierte weiße Heteras sind nicht die Mehrheit. Sie sind global betrachtet sogar eine ziemlich kleine Gruppe von Menschen. Trotzdem macht die Diskriminierung, von der sie profitieren, dass sie sich als Mehrheit denken können, sich selbst als Menschen/Allgemeinheit/Mainstream verstehen. {…} Dennoch: wenn solche Statements kritisiert werden, wird lediglich darauf aufmerksam gemacht, dass das eben nicht die Erfahrungen einer Mehrheit oder aller sind, die diskriminiert werden und dass es fatal ist, so etwas anzunehmen, weil es die Lebensrealitäten von anderen unsichtbar macht, ebenso deren Belange, Kämpfe und Bedürfnisse. Es macht auch die Gewalt unsichtbar, die weiße privilegierte Heteras ausgeübt haben, ausüben und an deren Ausübung sie durch ihr (feministisches) Tun mitwirken.“

Ein kritischer Kommentar von Mädchenmannschaft.net: Wie „Mainstream“ können die Frauen sein, die sich mit Watson identifizieren?

 

Gender equality not only liberates women but also men from prescribed gender stereotypes. #heforshe (Emma Watson)

Grundsätzlich hat sie damit natürlich recht. Es gibt verschiedenste Gender Stereotype, die nachteilig für Männer sind.

Allerdings scheint ihre Partnerwahl doch sehr stark auf Gender Stereotypen aufzubauen.“

Christian von Alles Evolution stellt fest, dass Emma Watson in Sachen Partnerwahl gerne auf jene Geschlechterstereotype zurückgreift, deren Aufbrechen sie so ausdrücklich fordert.

Ich möchte auf diese unterschiedlichen Ansichten verweisen, ohne diese im Speziellen zu teilen. Sie sollen lediglich Denkanstöße liefern.

 

After #aufschrei

Anne Wizorek hat nun, rund 1,5 Jahre nach der #aufschrei-Initiative, ein Buch mit dem Titel „Weil ein #Aufschrei nicht reicht“ auf den Markt gebracht.

„Kapitel für Kapitel reiht Wizorek auf, wo die Gleichberechtigung der Geschlechter in Deutschland im Jahr 2014 steht. Sie greift auf viele Studien zurück, belegt jede Aussage stimmig und nachweisbar. Vielfach legt sie auch dar, wie die einzelnen Themen im Netz diskutiert werden – und das weltweit, wie etwa bei #yesallwomen. “ (Die Zeit)

 

Sexarbeits Kongress in Berlin

In Berlin fand der Sexarbeits-Kongress statt – bestehend aus verschiedenen öffentlichen oder brancheninternen Veranstaltungen. Vor allem während einer hitzigen Podiumsdiskussion zeigte sich erneut, wie erregt die Gemüter der Betroffenen mittlerweile sind und wie fern die Diskutierenden von einem gemeinsamen Konsens entfernt zu sein scheinen.

„Menschen, auch Frauen, sollten anerkennen, dass sie die Entscheidungen anderer Menschen, auch Frauen, zu respektieren haben, auch wenn sie sie nicht nachvollziehen können“ (Engels)

 

Die in Berlin tätige israelische Sexworkerin Liad Kantorowicz verwies in ihrem Vortrag über Arbeitsbedingungen in der Branche darauf, dass es wenig Probleme während der Sexarbeit gebe, aber viele, die Prostituierte außerhalb ihrer Arbeit erführen. Das seien etwa „Diskriminierung und Ausgrenzung durch geliebte Menschen und Familie, vor denen wir unsere Arbeit verstecken müssen, die Angst, als ungeeignete Eltern abgestempelt zu werden“ (Kantorowicz)

 

“ Wer annehme, dass niemand sich freiwillig für Prostitution entscheide, unterschlage, dass auch die meisten anderen Menschen arbeiteten, weil sie müssten, nicht weil sie es sich ausgesucht haben.“

 

Pates sieht die deutsche Entwicklung aber auch im europäischen Trend. Überall in Europa werde gerade Prostitution „unsichtbar gemacht“, die selbst im 19. Jahrhundert „Teil europäischer Urbanität“ gewesen sei und von der alle Reisebeschreibungen voll waren. Die aktuelle Entwicklung gehe mit einer neuen Moralisierung. einher. „Früher war von Sitten die Rede, heute ist Prostitution schlecht für Frauen“, so Pates. Die Moral sei aber „unter neuen Vorzeichen“ die alte.

Interessante Beiträge zur Debatte im Allgemeinen findet ihr auf der Seite des Tagesspiegels, sowie spezifisch zur Podiumsdiskussion auf der Seite der taz.

 

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