Der Mann der FDP

Feierlich wird hiermit die neue Rubrik „Watschn der Woche“ eingeführt. Ob sie ab sofort tatsächlich einmal wöchentlich vergeben wird, hängt maßgeblich von der Dummheit medial erhörter Personen ab. Unser Gastautor hat sich diese Woche mal der neuen Werbekampagne der FDP gewidmet.

Die FDP… erinnert ihr euch? Das ist diese Partei, die nach der Gründung der Bundesrepublik zum Sammelbecken plötzlich ach so demokratischer Nationalsozialist_innen wurde (by the way, schon mal was vom Naumann-Kreis gehört?). Die Partei, die sich selber immer als liberal bezeichnete, dabei primär aber immer nur wirtschaftsliberal meinte („Die Gewerkschaftsfunktionäre sind die wahre Plage in Deutschland“ – Guido W.). Die Partei, die das Bisschen darüber hinaus gehende Liberalität sofort vergaß, sobald es darum ging, Steigbügelhalt…äh, Juniorpartner der Union zu werden. Die Partei, die es geschafft hat, einen überzeugten Antisemiten und bis zur letzten Sekunde (aber wirklich allerallerletzten!) leidenschaftliche Fallschirmspringer mit Hang zu konspirativen Flyer-Aktionen zum Vizekanzler zu machen. Die Partei, die… ach, who cares, mittlerweile wird sie in ihrer Belanglosigkeit eh nur noch von ehemaligen „Der Bachelor“-Teilnehmer_innen übertroffen. Was die FDP mit diesen ebenfalls gemeinsam hat, sind die erbärmlichen Methoden, mit denen nach medialer Aufmerksamkeit gegiert wird. Auch das hat bei den Liberalen ja so ein bisschen Tradition (es sei zum Beispiel an diesen phänomenalen Werbe-Coup im letzten Landtagswahlkampf in Brandenburg erinnert). Wie jetzt aber in Hamburg um das Überschreiten der 5%-Hürde gekämpft wird, ist selbst für die Herrenwitz-Partei FDP eine harte Nummer:

 suding

Hintergrund: Beim Wahlkampf vor vier Jahren posierte Katja Suding als Spitzenkandidatin der FDP Hamburg noch sanft lächelnd im Friesennerz und mit dem nicht besonders inhaltsschwangeren Slogan „KATJA“ (was die ZEIT als „sexy Wohlfühl-Wahlkampf“ betitelte). Allerdings galt Suding damals noch als eher substanzlos, unsouverän und recht unsicher auf der Bühne, dafür war Wolfgang Kubicki, seines Zeichens bekennender Macho, der Meinung, „man könne sich mit ihr sehen lassen“, was sie nach internen Partei-Kriterien wohl schon ausreichend als Spitzenkandidatin qualifizierte. Immerhin schaffte die FDP, nachdem sie bei den beiden Wahlen zuvor an der 5%-Hürde scheiterte, wieder den Einzug in die Bürgerschaft.
Mit dem aktuellen Plakat soll nun suggeriert werden, dass die Zeiten der Unsicherheit, der anfänglichen Fehler (eben das, was wohl bei den Brüderle-Allstars so als klassisch weiblich angesehen wird) vorbei sind und Suding nun eine richtige, ernstzunehmende Politikerin, sozusagen fast ein Politiker ist! Parteichef Christian Lindner kommentierte das wie folgt: ,,Sie setzt sich durch. Sie hat bewiesen, dass sie Charakter hat. Deshalb ist sie unser Mann für Hamburg.“ Suding selbst sagte dazu: „Das Plakat darf man mit einem ironischen Augenzwinkern sehen. Es geht darum, dass wir Entschlossenheit und Durchsetzungsstärke signalisieren wollen.“ Kann man jetzt auch einfach mal so stehen lassen. Wolfgang Kubicki hat sich selbst übrigens vor kurzem als „Trümmerfrau“ bezeichnet, also vielleicht liegt da ja in der Partei noch was im Argen…

Liebe FDP,
zur Vermeidung weiterer Entäuschungen bei zukünftigen Wahlen, gibt es neben solchen „provokativen“ Kampagnen übrigens auch ein ganz einfaches Mittel, das auch garantiert funktioniert: Einfach auflösen!

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