No bloomy day.

Bildschirmfoto 2015-02-15 um 16.52.48

Als das Radio mir morgens im Badezimmer den Valentinstags-Slogan des Blumenversandhandels „Bloomy Days“ ins Ohr flötete, habe ich mich fast an der Zahnpasta verschluckt. Frauen? Die wollen Blumen. Und Männer? Natürlich immer nur das Eine.

„Je schöner die Bumen, desto schöner das Dankschön.“ (zwinker, zwinker)

Eine „intelligente und stilsichere“ Werbekampagne, wie Franziska von Hardenberg versichert, denn „wir wissen was Frauen wollen“. Anscheinend nicht, was alle Frauen* wollen – denn die (durch und durch sexistische) Werbung stieß vor allem im Netz auf viel Empörung.

Sexistisch weil die Blume aussieht wie eine Muschi? Im Gegenteil, das Abbilden der Vulva im öffentlichen Raum rief weitgehend positive Reaktionen hervor. Weil die Werbung heteronormative Stereotype aufruft? Geschenkt. Das ist zwar bedauerlich, aber leider immer noch Standard. Das Problem ist sicher auch nicht der offene Umgang mit Sexualität, sondern die gängige sexistische Praxis, die ihm in diesem Fall inhärent ist.

Der Mann kauft also eine besonders schöne Blume (stellvertretend hierfür könnte ein x-beliebiges materielles Gut stehen) und die Frau macht sich ihm dafür sexuell verfügbar. Eine Werbung, die Frauen im ähnlichen Sinne dazu animiert, durch einen finanziellen Einsatz ihren Mann zur Befriedigung ihrer sexuellen Triebe zu motivieren, wirkt gleichsam kontraintuitiv. Genau in diesem kontraintuitiven Moment, manifestiert sich der Kerngedanke, der hier genutzten sexistischen Spielart: der Mann (aktiv) agiert (rational) und die Frau (passiv) reagiert (emotional).

„Aus dem Mann stürmt die Begierde, in dem Weibe siedelt sich die Stille Sehnsucht an.“ (Brockhaus, 1815)

Das Paradoxon: Während die Frau entsexualisiert wird (denn ihr wird keine autonome sexuelle Potenz zugeschrieben, sie wird maximal gefügig „gemacht“), wird sie doch im gleichen Atemzug mit Empfängnis und sexueller Verfügbarkeit gleichgesetzt. Der flache Slogan des Blumenversands passt wie die Faust aufs Auge zu der im Laufe des 18. Jahrhunderts (mit der Entwicklung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft) ergründeten Zähmung und Domestizierung der Frau selbst und ihrer Sexualität gleichermaßen.

Allein das semantische Vokabular spricht Bände: Die Aktion des Mannes hat den Erfolg zum Ziel (typisch männlich konnotierter Begriff – ähnlich wie Wettkampf, Stärke, Zielstrebigkeit) und die Reaktion der Frau ist (natürlich) der Dank (typisch weiblich konnotierter Begriff – denn wer dankbar ist, macht sich klein, „zu Dank verpflichtet“/“in der Schuld stehend“ etc.). Dem Mann wird hier also die „Macht“ zugeschrieben, die Situation aktiv verändernd zu beeinflussen, während sich die Frau (passiv) dem Verhalten des Mannes entsprechend verhält.

Der weibliche Körper wird zum unzähligsten Mal zum Austragungsort eines sexuell aufgeladenen Machtkampfs: Ist sein materieller Einsatz gut genug, umso eher macht sie die Beine breit – was als „Erfolg“ gewertet wird. Interessant finde ich zudem den Aspekt, dass Prostitution gemeinhin gesellschaftlich stigmatisiert und tabuisiert wird, das dazugehörige Sinnbild hier jedoch instrumentalisiert wird, um „die Frau von nebenan“ gefügig zu machen – wirkt auf mich wie das reproduzierende Abrufen der limitierenden Weiblichkeitsvorstellung von Hure und Heiliger.

Ihrem Interview mit „W&V Online“ fügte Frau von Hardenberg noch hinzu:

„P.S. Liebe Männer, man kann bei uns auch mehrere Abos anlegen und diese getrennt voneinander verwalten, das heißt pausieren oder beenden. Ihr habt also stets die Zügel in der Hand und bestimmt, wann Schluss ist.“

Warum wirkt das hier gewählte Vokabular nur so… passend?

Weitere Artikel zum Thema:

„Give and you shall receive“ / Femstern

„Gloomy Days bei Bloomy Days: Sex gegen Blumen“ / Genderfail

„Biete Blume, suche Sex“ / taz.de

„Valentinsvulva“ / pinkstinks

Published by

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s