No bloomy day.

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Als das Radio mir morgens im Badezimmer den Valentinstags-Slogan des Blumenversandhandels „Bloomy Days“ ins Ohr flötete, habe ich mich fast an der Zahnpasta verschluckt. Frauen? Die wollen Blumen. Und Männer? Natürlich immer nur das Eine.

„Je schöner die Bumen, desto schöner das Dankschön.“ (zwinker, zwinker)

Eine „intelligente und stilsichere“ Werbekampagne, wie Franziska von Hardenberg versichert, denn „wir wissen was Frauen wollen“. Anscheinend nicht, was alle Frauen* wollen – denn die (durch und durch sexistische) Werbung stieß vor allem im Netz auf viel Empörung.

Sexistisch weil die Blume aussieht wie eine Muschi? Im Gegenteil, das Abbilden der Vulva im öffentlichen Raum rief weitgehend positive Reaktionen hervor. Weil die Werbung heteronormative Stereotype aufruft? Geschenkt. Das ist zwar bedauerlich, aber leider immer noch Standard. Das Problem ist sicher auch nicht der offene Umgang mit Sexualität, sondern die gängige sexistische Praxis, die ihm in diesem Fall inhärent ist.

Der Mann kauft also eine besonders schöne Blume (stellvertretend hierfür könnte ein x-beliebiges materielles Gut stehen) und die Frau macht sich ihm dafür sexuell verfügbar. Eine Werbung, die Frauen im ähnlichen Sinne dazu animiert, durch einen finanziellen Einsatz ihren Mann zur Befriedigung ihrer sexuellen Triebe zu motivieren, wirkt gleichsam kontraintuitiv. Genau in diesem kontraintuitiven Moment, manifestiert sich der Kerngedanke, der hier genutzten sexistischen Spielart: der Mann (aktiv) agiert (rational) und die Frau (passiv) reagiert (emotional).

„Aus dem Mann stürmt die Begierde, in dem Weibe siedelt sich die Stille Sehnsucht an.“ (Brockhaus, 1815)

Das Paradoxon: Während die Frau entsexualisiert wird (denn ihr wird keine autonome sexuelle Potenz zugeschrieben, sie wird maximal gefügig „gemacht“), wird sie doch im gleichen Atemzug mit Empfängnis und sexueller Verfügbarkeit gleichgesetzt. Der flache Slogan des Blumenversands passt wie die Faust aufs Auge zu der im Laufe des 18. Jahrhunderts (mit der Entwicklung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft) ergründeten Zähmung und Domestizierung der Frau selbst und ihrer Sexualität gleichermaßen.

Allein das semantische Vokabular spricht Bände: Die Aktion des Mannes hat den Erfolg zum Ziel (typisch männlich konnotierter Begriff – ähnlich wie Wettkampf, Stärke, Zielstrebigkeit) und die Reaktion der Frau ist (natürlich) der Dank (typisch weiblich konnotierter Begriff – denn wer dankbar ist, macht sich klein, „zu Dank verpflichtet“/“in der Schuld stehend“ etc.). Dem Mann wird hier also die „Macht“ zugeschrieben, die Situation aktiv verändernd zu beeinflussen, während sich die Frau (passiv) dem Verhalten des Mannes entsprechend verhält.

Der weibliche Körper wird zum unzähligsten Mal zum Austragungsort eines sexuell aufgeladenen Machtkampfs: Ist sein materieller Einsatz gut genug, umso eher macht sie die Beine breit – was als „Erfolg“ gewertet wird. Interessant finde ich zudem den Aspekt, dass Prostitution gemeinhin gesellschaftlich stigmatisiert und tabuisiert wird, das dazugehörige Sinnbild hier jedoch instrumentalisiert wird, um „die Frau von nebenan“ gefügig zu machen – wirkt auf mich wie das reproduzierende Abrufen der limitierenden Weiblichkeitsvorstellung von Hure und Heiliger.

Ihrem Interview mit „W&V Online“ fügte Frau von Hardenberg noch hinzu:

„P.S. Liebe Männer, man kann bei uns auch mehrere Abos anlegen und diese getrennt voneinander verwalten, das heißt pausieren oder beenden. Ihr habt also stets die Zügel in der Hand und bestimmt, wann Schluss ist.“

Warum wirkt das hier gewählte Vokabular nur so… passend?

Weitere Artikel zum Thema:

„Give and you shall receive“ / Femstern

„Gloomy Days bei Bloomy Days: Sex gegen Blumen“ / Genderfail

„Biete Blume, suche Sex“ / taz.de

„Valentinsvulva“ / pinkstinks

Mein schwules BILD-Girl.

Heute mal zwei (mehr oder auch weniger erfreuliche) Dinge in einem Abwasch: Muschimieze ist Teil des neuen Jahrbuchs für schwule Erotik „Mein schwules Auge 11“! Außerdem möchte ich euch eine Kampagne vorstellen, die gegen Sexismus in der BILD-Zeitung kämpft.

 

Mein schwules Auge 11

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„Unter dem Motto „Die Freiheit, die wir meinen“ setzen sich 40 Autoren* und 50 internationale Künstler mit den Grenzen auseinander, die Schwulen heute durch Gesellschaft und Politik gesetzt werden. Sie zeigen facettenreich und auf lustvolle, provokative wie aufschlussreiche Weise, wie sich schwule Männer moralischen Zwängen, gesellschaftlichen Normen und Erwartungen widersetzen und zu ihrer eigenen – auch sexuellen – Freiheit finden.“

*und mindestens eine Autorin 😉

Den Band könnt ihr beim konkursbuch Verlag bestellen. Er ist wirklich schön gelungen, mit tollen Bildern und Kunstwerken illustriert – ich freue mich schon sehr darauf, die anderen Texte zu lesen. Meinen findet ihr natürlich auch weiterhin hier: Die Angst vor der Frau im Mann.

 

Schafft das BILD-Girl ab!

Es ist vielen sicherlich schon seit Jahren ein Dorn im Auge: Die Art und Weise, wie die BILD-Zeitung Frauen darstellt und sie auf ihre Sexualität reduziert. Sicher gäbe es auch viele andere „journalistische“ Praktiken, die man an dem Blatt kritisieren könnte – über die Qualität der Artikel lässt sich vermutlich nicht mal mehr groß streiten, es ist gemeinhin bekannt, welches Klientel sie bedienen. Wo man sich seine Informationen übers Weltgeschehen holt, ist und bleibt jedoch glücklicherweise Geschmackssache. Eine andere Sache ist es jedoch, wenn politisch relevante Diskriminierungen und unterschwellige Degradierungen von Menschengruppen immer wieder ihren Weg in die Schlagzeilen finden. Es lässt sich nicht leugnen, dass die BILD-Zeitung eine große Leserschaft hat. Umso schlimmer, wenn rund 2,5 Millionen Leser_innen täglich mit sexistischen Denkstrukturen infiltriert werden. Nun wendet sich die Studentin Kristina Lunz mit einer Petition an die BILD-Zeitung und fordert:

„BILD: Zeigt allen Respekt – schafft das BILD-Girl ab! #BILDsexism“

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„Anlässlich des Weltfrauentages 2012 haben sich BILD und BILD.de beispielsweise für mehr Achtung für Frauen eingesetzt. Sie verbannten das bekannte BILD-Girl von der Titelseite Ihrer Zeitung und reagierten damit auf das, was „viele Frauen – auch in den BILD-Leserbeiräten – sich immer gewünscht hatten“. Doch so ganz verschwand das BILD-Girl leider nicht: Es findet sich seitdem noch immer im Zeitungsinneren der BILD und rankt offensiv auf der Hauptseite von BILD.de.

Eine derartig verzerrte und sexistische Darstellung findet man täglich in BILD und auf BILD.de. Wie am 17. September 2014, als Sie das Dekolleté von sechs prominenten Frauen auf Ihrer Titelseite abbildeten und Ihre Leser dazu aufforderten, deren Busen zu bewerten. Diese sechs Frauen sind erfolgreiche Persönlichkeiten der deutschen Medien- und Kulturlandschaft. Dennoch werden sie, anders als ihre männlichen Kollegen, nur auf ihr Äußeres und ihre sexuelle Attraktivität reduziert. Dadurch wird unterstützt, dass diese Reduktion auch außerhalb von BILD und BILD.de gelebt wird.“

 

Schaut doch mal auf ihrer Seite vorbei, ich denke es kann nicht verkehrt sein, auf solche Strukturen aufmerksam zu machen. Ob die Petition letztlich jedoch tatsächlich zum Umdenken bei Axel Springer führen wird, bleibt vermutlich abzuwarten. Ohne Titten, müssen die sich nämlich vermutlich mal mit etwas ganz Neuem beschäftigen: Inhalten.

Aufregerin der Woche: Sexuelle Belästigung?

Eine ganz „normale“ Frau. Schwarzes T-Shirt, ohne Ausschnitt. Eine Jeans. Sie läuft schweigend eine Straße entlang. Ob sie dabei irgendwem, irgendetwas beweisen will ist eigentlich egal – sie könnte auch auf dem Weg zur Uni sein oder nach einem stressigen Arbeitstag einfach nachhause wollen. Wer diese Frau ist, was sie anhat, wie es ihr geht oder was sie gerade vorhat ist unerheblich – denn vor den Reaktionen der Männer in ihrem Umfeld, schützt sie weder ein 0815-Outfit, noch ihre offensichtlich distanzierte Haltung.

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– Smile! Smile!

– Beautiful!
– Somebody`s acknowledging you for being beautiful – you should say thank you more!

– God Bless you mami… Damn!

– Nice!

 

Kurz gefasst: Diese Frau wird permanent „angesprochen“. Ich setze dieses Wort in Anführungszeichen, da ich in keiner der Zurufe einen ernsthaften Kommunikationsversuch eines möglicherweise schüchternen Verehrers sehe, der sich dieser Frau ehrlich nähern möchte. „Lächel doch mal!“, „Hey Babe!“, „Verdammt!“ – das sind keine „Flirtversuche“ im eigentlichen Sinne. Das sind Machtdemonstrationen. Bedrängend, beschämend, beschneidend. Hier nehmen sich wildfremde Männer das Recht heraus, diese Frau offen zu bewerten, ihr Anzüglichkeiten zuzurufen, ihr ihren sexuellen Reiz vor Augen zu halten. Sie soll lächeln, sie soll sich sogar noch dafür bedanken. Dieses Video soll verdeutlichen, wie viele Frauen im Alltag übergriffigem Verhalten von ihren Mitmenschen ausgesetzt sind. Umso bedauerlicher, dass es anscheinend immer noch eine ganze Reihe Männer gibt, die sich durch das Sichtbarmachen solcher Strukturen, bedroht und angegriffen fühlen. Wer sich nicht angesprochen fühlt: Herzlichen Glückwunsch! Das heißt ja aber im Umkehrschluss nicht, dass diese Problematik nicht dennoch existiert.

Shoshana Roberts erhält mittlerweise Mord- und Vergewaltigungsdrohungen. Damit ist sie nicht die erste Frau, die sich, nachdem sie sich öffentlich gegen Sexismus und Machtstrukturen eingesetzt hat, mit solchen Bedrohungen auseinandersetzen muss. Beunruhigend. Und, so traurig es auch leider ist: Bezeichnend.

Bevor wir mal wieder einen kleinen Exkurs zu den Abgründen der Kommentarspalten wagen, möchte ich noch einleitend den Reaktionen einiger Frauen auf dieses Video-Experiment Raum geben:

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Achtung: Der nun folgende Teil ist nichts für schwache Nerven. Baldrian raus – Augen zu und durch. Die Top-Tiefpunkte der Debatte.


 

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Genau! Sie war einfach nicht emanzipiert genug! Das wird es sein! Unemanzipiert (als sie „wirklich“ bedrängt wurde) und überempfindlich (als sie es sich eigentlich nur „eingebildet“ hat), jetzt haben wir es! Schließlich liegt es an der Frau, Übergriffe im Vorfeld zu vermeiden und sich dann im Ernstfall, ganz nach dem Geschmack des Kommentatoren Schmidt, angenemessen zu Wehr zu setzen. Sonst ist sie einfach selber Schuld (diese praktische These lässt sich bequemerweise auch auf auf alle möglichen anderen Formen der sexuellen Belästigung – bis hin zur Vergewaltigung – übertragen).

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Na, wie gut, dass dieser Kommentator genau verstanden hat, wo sexuelle Belästigung anfängt (muss auf jeden Fall was anderes sein, als die Szenen die im Video gezeigt werden), um nicht zu sagen: sich die Deutungshoheit darüber nimmt. Harmlose, kurze Sprüche gehören auf jeden Fall nicht dazu. Kurz müssen sie schließlich auch sein, damit möglichst viele Männer pro Stunde zum Zug kommen können.

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„Liebe Frauen (…) bitte werdet EUCH EINIG was ihr wollt“ – genau, weil die FrauTM schließlich ein Produkt ist, das bitte auch immer gleich zu funktionieren hat. Vielleicht rührt sein Problem, das er „mit DEN Frauen“ hat,  auch daher, dass er nicht den individuellen Menschen, sondern nur „die Frauen“ (die nach seiner Aufassung alle die gleichen Bedürfnisse, Geschmäcker und Abneigungen haben) sieht? Ich wurde schon zigfach auf nette Weise (unabhängig davon, ob ich den Mann attraktiv fand oder nicht) angesprochen, das funktioniert tatsächlich, wenn Mann in der Lage ist, durch Blickkontakt und Feingefühl seine Gesprächspartnerin nicht zu übermannen (lol). Trotzdem kenne auch ich das Gefühl, morgens eine andere Klamotte zu wählen, weil ich weiß, in bestimmten Bezirken unterwegs zu sein und dann den ganzen Tag keine Ruhe zu haben, vor übergriffigem und unangenehmen Verhalten meiner Mitmenschen (sprich: Männer). Das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe und es ist echt ermüdend, sich dafür rechtfertigen zu müssen, nicht belästigt werden zu wollen. Die Floskel „Ich bin kein Sexist, ABER ich reproduziere sexistisches Gedankengut“ hat mittlerweile einen ziemlich langen Bart.

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„Keine Frau wird einen normalen Mann ansprechen.“

Dich vielleicht nicht.

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Noch so ein goldenes Stück Stammtischrethorik. Bitte notieren: Männer dürfen die Ollen so behandeln wie sie es gerne möchten, erst wenn sie (die Ollen) den Mund aufmachen, kann man das männliche Verhalten (aber nur ganz vielleicht eventuell ein kleines bisschen) als Belästigung werten. Und was passiert dann? Recht des Stärkeren wahrscheinlich, Evolution und so. Vermut‘ ich mal. „Naturgegebene“ Rechte sind schließlich die besten.

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Ergo haben sich Frauen also nur in einem kontrolliert-geschützten Raum aufzuhalten, zu dem bestimmte Männer keinen Zutritt haben – wenn sich frau nicht daran halten kann, selber Schuld! Dann soll sie sich halt wenigstens über die Aufmerksamkeit des Pöbels freuen! Doch wie könnte so ein Raum aussehen? Achja, da fällt mir was altbewährtes ein! Fängt mit „K“ an und hört mit „üche“ auf!

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Klar, das wird von den allermeisten immer direkt verstanden. So was „weiß man als Mann“, der sich so einem Spießroutenlauf sicher schon oft unterziehen musste, auf jeden Fall besser, als jede Frau, die sich mittlerweile eine Strategie aus Ignoranz und Distanziertheit zurecht gelegt hat, um sich vor Übergriffen zu schützen. Dieses „bewusste nicht-reagieren“ ist auf jeden Fall eine gezielte Provokation gewesen, das hat den Männern gar keine andere Wahl gelassen und sie regelrecht zu ihrem Verhalten gezwungen. Echt durchtrieben, wie die Protagonistin ihr Umfeld durch systematische Nicht-Einwirkung manipuliert hat.

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Richtig! Wenn Frauen sich endlich wieder ein wenig „angemessener“ verhalten würden, dann wären sie solchen Übergriffen auch nicht ausgesetzt! Wenigstens so wie in den 90ern (in denen bekannterweise nie jemals eine Frau sexueller Belästigung ausgesetzt gewesen ist). Noch schöner wäre natürlich, wenn sich diese anbiedernden Weiber endlich wieder besinnen würden und sich wenigstens ein kleines bisschen wie in den 50ern benehmen würden. Da hatten sie zwar gar nichts zu melden, waren aber anstatt hunderten Ledigen, lediglich einem (Ehe)mann ausgesetzt. Auch hier gilt also: selber Schuld!

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Ja, z.B. diese hier, mit ihrem aufreizenden schwarzen T-Shirt und ihrem genervten Blick. Sie hat regelrecht darum gebettelt. Gut, dass sie keinen Rock anhatte, sonst wäre sie, nach diesem Kommentator, wohl noch zu Recht befummelt worden.

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Die Lösung ist gefunden: Wir schaffen einfach ein Frauen-Exil in Münster, dem Mekka des Antisexismus. Aber in den Augen dieses Kommentators, ist das ja eigentlich auch gar nicht nötig. Er sieht das Problem nicht. Und was man(n) nicht sehen kann, das gibt es schließlich auch nicht! Messerscharf kombiniert – 40 Jahre Feminismus für die Katz‘.

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Netter Versuch, leider am Thema vorbei. In dem Video wird gezeigt, wie die Frau sexuellen Kommentaren ausgesetzt, zu Reaktionen aufgefordert und sogar minutenlang verfolgt wird. Das hat nichts mit einem freundlichen Umgangston zu tun. Aber auch das ist wohl eine Vermeidungsstrategie, um sich mit den eigentlichen Inhalten nicht auseinandersetzen zu müssen. Leider nicht sehr originell. Sechs, setzen.

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Des Users Geheimtipp gegen sexuelle Übergriffe: Burka!

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Sehe ich auch so. Schließlich grüßen die ganzen Männer ja auch alle anderen (männlichen) Menschen, die ihnen den ganzen Tag so begegnen. Sicher rufen sie sich auch untereinander anzügliche Bemerkungen über ihre Ärsche zu, oder fordern sich gegenseitig vehement dazu auf, doch mal zu lachen! Klarer Fall von Nächstenliebe. Richtig sozial! Die soll sich mal nicht so isolieren und lieber für alle verfügbar machen.

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Satire? Bitte, sag dass das Satire ist!

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Kann ich so nicht bestätigen. Aber vielleicht ist das was anderes, wenn man keine Freunde hat.


Ich könnte zwar ewig so weiter machen, aber das hat vermutlich keinen Sinn. Lieber bringe ich das Ganze noch zu einem halbwegs positiven Abschluss. Denn, natürlich, sind nicht alle Männer so (was ja auch nie von der Initiatorin behauptet woden ist…). Zum Glück.


 

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Der Muschi-Komplex.

Der folgende Artikel könnte deinen Blick auf Muschis nachhaltig verändern. Die Darstellung des Muschi-Komplex ist mir eine Herzensangelegenheit. Er ist omnipräsent in den Medien, im alltäglichen Leben und den heimischen Betten. Was ich mit Schwanzarroganz meine, was Jenna Jameson und Emilia Galotti gemeinsam haben und die quälende Frage warum Frauen nicht einfach stolz auf ihr eigenes Geschlecht sein können.

In der Schule haben wir im Sexualkundeunterricht einiges über die menschliche Anatomie gelernt. Da war die Rede von Schwellkörpern und Eileitern, Hoden und Schamlippen. Als „Ziel“  haben wir uns die Ejakulation und im weitesten Sinne natürlich die Fortpflanzung notiert. Was wir machen müssen, um unsere Art zu erhalten wird uns früh beigebracht, praktischerweise ist für etwa die Hälfte der Unterrichteten diese Information deckungsgleich mit sexueller Befriedigung. Der weibliche „Rest“ weiß nun zwar was er tun muss, damit die Menschheit in naher Zukunft nicht ausstirbt, wie er verhütet und seinen männlichen Sexualpartner befriedigen kann, bleibt aber im Bezug auf die eigenen sexuellen Bedürfnisse im Unklaren. Gleich der erste schulische Kontakt mit Sexualität hinterlässt für Mädchen in erster Linie die Information zur Fremdbefriedigung. Der Gebrauch des Terminus „Schamlippen“ impliziert bereits im Kindesalter, dass die Gegend „da unten“ (die gerne verlegen umschrieben, anstatt selbstbewusst benannt wird) unanständig und schuldbehaftet ist.
Schon von kleinauf haben Mädchen einen anderen Bezug zu ihren Geschlechtststeilen als gleichaltrige Jungen. Sie nehmen es nicht ständig zum Pinkeln in die Hand (schon gar nicht ohne anschliessendes Hände waschen!) und erhalten nicht selten schon möglichst früh eine spezielle Reinigungsschulung zur Instandhaltung dieses anscheinend nicht ganz unkomplizierten Organs. Im Zweifel gibt es einen speziellen „für unten“-Waschlappen als Vermittler zwischen dem Mädchen und dem Bereich zwischen den Beinen – der ja nicht mit dem für „oben“ vertauscht werden darf. Noch im Erwachsenenalter benutzen viele Frauen Hilfsmittel zur eigenen Befriedigung, bei Männern geht die Zahl gegen Null. Das „Dolmetschen“ nimmt für manche Frauen im Alter also kein Ende, der direkte Kontakt zum eigenen Geschlecht ist nicht immer selbstverständlich. Das Thema weiblicher Masturbation ist überhaupt sehr wenig in unserer alltäglichen Wahrnehmung präsent – im Kontrast zum männlichen Pendant. Dabei belegen neue Studien, dass sich mindestens genauso viele Frauen regelmäßig selbst befriedigen wie Männer. Während heranwachsende Mädchen hinter verschlossenen Türen vielleicht die ersten Erfahrungen mit ihrem eigenen Körper machen (wer weiß das schon so genau, darüber gesprochen wird jedenfalls nicht), werden heranwachsende Jungen mit einer regelrechten Onaniekultur supportet. Männliche Selbstbefriedigung ist salonfähig und wird in den Medien repräsentiert, wie beispielsweise in dem Jugendfilm „Crazy“.

Die Darstellung des „Kekswichsen“ ist vielleicht nicht für jeden heranwachsenden Mann von realer Relevanz, sie führt uns dennoch vor Augen, was mit diesem Geschlecht theoretisch alles möglich ist. Gemeinschaftliche Masturbation bei Mädchen? Schier unvorstellbar. Bis zu welchem Höhepunkt auch? Vom weiblichen Orgasmus existiert wenn überhaupt nur ein konfuses Bild, das durch niemanden definiert wird. Für den „Hite-Report“ wurden über vier Jahre hinweg rund zwanzig verschiedene weibliche Masturbationstypen gezählt, die einem als junges Mädchen aber keiner auf dem Silbertablett präsentiert. Stattdessen lernen sie schon früh ihre eigene Befriedigung über die Luststillung ihres Sexualpartners zu definieren. Es geht mehr um die Ablieferung einer Leistung und das Erfüllen bestimmter Erwartungen, als um tatsächliche Selbsterfahrung. Die Beziehung zur eigenen Sexualität – die auch ohne konkreten Partner präsent sein sollte – ist nicht selten von Unsicherheit und Unkenntnis geprägt. Die Tabuisierung der Sexualität hat in der Kirche eine lange Tradition und spiegelt sich bis heute im Sexualempfinden der Frau wieder. Was einst so natürlich war wie Essen und Trinken wurde systematisch entnaturalisiert.
Was soll frau nun also mit diesem laut Freud „defekten Genital“ anstellen, das ja bekanntermaßen „nach Fisch stinkt“, weder mess- noch vergleichbar ist und nicht normiert funktioniert?
40% aller Frauen meinen bei sich eine sexuelle Störung oder Dysfunktion erkennen zu können – doch gemessen an welcher Normalität? Das Abbild weiblicher Befriedigung ist kaum präsent. Viele Frauen entwickeln eine Art sexuelle Schizophrenie, benannte Fremdbefriedigung verdrängt die Selbsterfahrung und macht ihre Abwesenheit kaum spürbar. Mangelnde Orgasmusfähigkeit und fehlende Lust sind – vor allem in langjährigen Partnerschaften, wo die Fremdbefriedigung auf Dauer auch ihren Reiz verliert – die Folge. Die Lösung des Problems wird dennoch weiter in der Befriedigung externer Bedürfnisse zu zweit gesucht, anstatt den Fokus endlich auf die eigene, autonome Sexualität zu richten. Frustration und später Resignation sind die Folge. „Ich funktioniere nicht richtig!“ oder „Das ist ganz normal mit der Zeit!“ sind typische Phrasen der Verdrängung. Die Situation gipfelt nicht selten darin, sich mit seinem Schicksal abzufinden, anstatt sich seinem eigenen Körper tatsächlich mal zu stellen.
In den Medien wird oft das Bild der enthemmten, sexuell befreiten und selbstbewussten Frau vermittelt. Eigentlich gar nicht so schlecht, möchte man im ersten Augenblick meinen. Leider reproduzieren die meisten Darstellungen lediglich den bereits beschriebenen Stereotyp, der zur Fremdbefriedigung dient. Die enthemmte Frau wird als Werkzeug des Mannes zur eigenen Lustgewinnung benutzt, die authentische Lust der Frau bleibt meist unberücksichtigt. Eine Frau die sich einfach nimmt was sie will? Sowas funktioniert in den geläufigen bildlichen Darstellung nur dann, wenn das, was „sie will“, zufällig mit männlichen Fantasien konform geht. Was ist so schwer daran einen authentischen Blick auf die weiblich-triebhaften Empfindungen zu gewähren, ohne sie vorher männergerecht zu filtern?
Bei dieser Frage assoziiere ich ein Symptom, das auf viele anorektische Frauen zutrifft: das Unvermögen vor anderen Menschen zu essen. Über 90% aller Betroffenen einer Essstörung sind weiblich. Es gibt sicher viele Gründe, die so eine Krankheit auslösen können, aber ich möchte mich an dieser Stelle nur auf diese Erscheinung beziehen, die übrigens auch bei scheinbar „gesunden“ Frauen auftreten kann. Was bedeutet es eigentlich zu essen? Sich etwas einzuverleiben? Es handelt sich um einen lustvollen Vorgang, der vielleicht sogar etwas von uns preisgibt, das wir nicht immer mit anderen Teilen wollen, vor allem wenn unsere Sozialisierung etwas anderes von uns erwartet. Essen hat etwas potentes, triebhaftes und ursprüngliches. Attribute, die so gar nicht dem medialen Bild der anpassungsfähigen Frau entsprechen, die nicht nur zwischenmenschlich sondern auch im Bett alles dafür gibt, externe Bedürfnisse zu stillen.

Was Freud mit seinem Geschlechtermonismus bereits vor Jahrzehnten in unserer Gesellschaft etablierte, spiegelt sich heute in der allgegenwärtigen Präsenz männlicher Genitalien und der unverdrossenen Abwesenheit weiblicher Geschlechtsorgane in unserem Alltag wieder. Es gibt Filme, in denen Männer mit ihrem „besten Stück“ sprechen und „er“ regelrecht ein selbstbestimmtes Eigenleben führt. Mit Freude wird auf Partys (und mehr oder weniger vertrauten gesellschaftlichen Runden) die Selbstverständlichkeit zelebriert „ihn“ nach Lust und Laune auspacken zu können – ein Phänomen das ich gerne als „Schwanzarroganz“ bezeichne. Egal, ob es nun um erheiternde Spielchen wie das allseits beliebte „Teebeuteln“ (wer es nicht kennt: ein Streich pubertierender Jungen, bei dem Hoden in die Gesichter schlafender Freunde geklatscht werden) geht oder gar um artistische Shows, in denen dieses verblüffend vielseitig einsetzbare Genital (spricht da etwa der blanke Penisneid aus mir?!) zum Kunstwerk oder gar Künstler wird – es gibt für die meisten albernen Rituale (und mögen sie auch noch so überflüssig sein) kein weibliches Äquivalent.
Es wird langsam deutlich: die Frau ist keine Akteurin. Das Bild der rezeptiv-empfangenden Weiblichkeit, das sich bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts etablierte, ist aktueller denn je. Trotz all der Verdrängung des Weiblichen aus den aktiv-produzierenden Bereichen (sei es in den Medien oder im Bett), dient sie dennoch als überrepräsentierte Projektionsfläche für männliche Fantasien. Heute finden wir hierfür zahlreiche Fälle beispielsweise in der Pornoindustrie, ich verweise an dieser Stelle jedoch auch auf die vorangegangene Jahrhunderte überdauernde Entwicklung in der Literatur.

„Im Reich der Phantasie ist sie, (die Frau) von höchster Bedeutung, praktisch ist sie völlig unbedeutend“ – Virginia Woolf

Literaturhistorisch relevante, oft begehrenswerte wenn nicht selten auch labile, Frauenfiguren wie Anna Karenina, Effi Briest oder Emilia Galotti sind genauer betrachtet nichts weiter als die Abbilder der Weiblichkeitsentwürfe ihrer männlichen Erschaffer. Sie zeigen die Frau mal mehr und mal weniger als ihren eigenen Emotionen hilflos ausgeliefertes Subjekt, neigen dazu sie zu mysthifizieren, entrationalisieren und entmündigen. Querverweis Porno: der Blick auf die Frau, durch die Brille des Mannes. Trotz der omnipräsenten Darstellung von Sexualität, stellt sie diese oft nur einseitig dar. Im Porno ist die Frau das Zentrum des Geschehens, die Protagonistin – der Mann nur austauschbares Beiwerk. Die Nachricht die uns dabei übermittelt wird, ist dennoch mehr männlicher denn weiblicher Natur. Jenna Jameson mutet vor diesem Hintergrund wie eine zeitgemäße Emilia Galotti an.
Dieses Ungleichgewicht würde sich nach und nach ausgleichen, würden sich mehr Frauen aus der passiven Rolle befreien und aktiv am Pornogeschäft beteiligen (in einer Art die nicht weiter die bekannten Stereotypen reproduziert, sondern ihre eigene befreite Sexualität widerspiegelt). Doch viele Frauen trauen sich nicht mal als Konsumentin an diese Thematik heran. Die Darstellung von Frauen in Pornos wird von feministischer Seite aus immer wieder gerne kritisiert. Abgesehen davon, dass es durchaus auch einige Frauen gibt, die dem Standard heteronormativ geprägten Vorne-Hinten-Vorne-Gesicht-Szenario etwas abgewinnen können, kann ich darauf nur entgegnen: wo keine Nachfrage, da kein Angebot! Aber wozu auch Pornos konsumieren, wenn sich das eigene Sexualleben sowieso in erster Linie mit der Befriedigung anderer beschäftigt?
Auf einschlägigen Porno-Plattformen gibt es zwar mittlerweile zwischen all der zahlreichen anderen Rubriken eine spezielle „Female Choice“-Kategorie, aber bei der Auswahl dieser Clips werden auch hier lediglich die Stereotypen der romantischen und empfindsamen Frau (die mehr Wert auf eine schöne Deko als auf triebhafte Handlung legt) durch den niemals müden Klischeewolf gedreht. In Internetforen lese ich immer wieder von Mädchen und Frauen, die darüber diskutieren, dass sie ihren Freund bei der Selbstbefriedigung erwischt haben oder er regelmäßig Pornos schaut. Manche sind davon verunsichert, andere finden das „schon ok“ – dass es aber noch die Möglichkeit gibt, sich auch als Mädchen selbst zu befriedigen oder mal einen Porno anzuschauen bleibt bei solchen Gesprächen meist völlig unberücksichtigt.
Alice Schwarzer hat bereits in den 80ern mit ihrer „PorNO“-Kampagne Darstellungen in Pornos mit sexueller Erniedrigung gleich gesetzt. Das sexuell bedingte Machtgefälle zwischen Mann und Frau kann jedoch nicht durch die Entsexualisierung des Mannes, sondern insbesondere durch die aktive Sexualisierung der Frau genesen werden. Die Frau muss dem Mann sexuell (und es ist kein Geheimnis, dass sexuelle Potenz auch politische Potenz meint) in nichts nachstehen, wenn sie endlich den Mut fasst zu ihrer autonomen Sexualität öffentlich zu stehen und aufhört diese unentwegt über die Lust des so selbstverständlich begehrenden Mannes zu definieren. In der Grundschule hing ein Zettel mit dem Leitspruch „ich muss deine Kerze nicht auspusten, damit meine besser brennt“ an unserer Tür. Vielleicht sollten „wir Frauen“ lernen, es mit öffentlich gezeigter Sexualität auch so zu halten und nicht in den Momenten der Ungerechtigkeit unserem männlichen Gegenüber das Recht auf Sexualität absprechen.
Wenn die Portishead-Frontfrau Beth Gibbons in ihrem bekannten Hit „Glorybox“ die Zeilen „give me a reason to be a woman“ haucht, sollten wir uns fragen, ob tatsächlich stets ein binäres männliches Echo von Nöten ist, um unsere Weiblichkeit sichtbar zu machen und unsere sexuelle Energie zu spüren.

Wenn nur eine Frau sich von diesem Text inspiriert fühlt, bei der nächsten Party ungefragt ihre Muschi auszupacken, hat er sich für mich schon gelohnt. Ich erbitte Bericht!